Cannabis Ägypten

Zum Sonntag ein Blick zurück die Verwendung von Cannabis im Alten Ägypten – Hanf spielte am Nil zwischen den Pyramiden eine große Rolle (Bild von Pete Linforth auf Pixabay).

Von König Narmer als dem Reichseiniger bis zur berühmten Cleopatra als letzter Königin am Nil bestand das Alte Ägypten gut 3000 Jahre und dabei hat auch Cannabis eine erhebliche Rolle gespielt. Der Reichtum des Landes und der Pharaonen kam natürlich durch den größten Strom der Erde, aber auch durch Edelmetalle und vor allem eine relative Stabilität, ganz im Gegenteil etwa zu anderen zeitgenössischen Hochkulturen. Jener Wohlstand brachte eine intensive Beschäftigung mit Medizin mit sich und Hanf gehörte schnell zu einer wichtigen therapeutischen Option. Bei Ausgrabungen finden Archäologen von Gizeh bis ins Tal der Könige immer wieder auch Cannabis in den Ruhestätten, neben Opium, Honig, eingelegten Insekten und unendlich viel mehr. Selbst Frauen durften im Alten Ägypten wohl als Ärzte arbeiten, vor allem in der Gynäkologie und die heute wissenschaftlich untersuchten schmerzstillenden, beruhigenden Eigenschaften von Cannabis waren für die Heilkunst zur damaligen Zeit unverzichtbar.

Wie genau wurde Hanf bei den alten Ägyptern verwendet?

Zunächst einmal haben wir im Grab von Ramses II. Pollen von Cannabis gefunden. Klar könnten die auch durch den Wind dort hineingepustet sein, aber das ist wohl eher unwahrscheinlich bei einer teil unterirdischen, gigantischen Grabanlage. Dieser König war ja schon im Neuen Reich tätig, also etwa im 13. Jahrhundert vor der Zeitenwende – doch Cannabis und Erde mit Hanfspuren fanden die Archäologen auch in den Mastabas, das sind die Gräber vor den Pyramiden, der prädynastischen Zeit aus dem vierten Jahrtausend!

Der botanische Alleskönner: Hinweise auf Cannabis finden sich auch bei Inschriften auf Pyramiden. Dort ist immer wieder von „Shemshemet“ die Rede, einer „Pflanze, aus der sich Seile herstellen lassen.“ Damit dürfte wohl ziemlich sicher Hanf gemeint sein als klassischer Grundstoff für Taue auf Booten, aber auch Textilien mit einem gewissen robusten Material. Natürlich steht nirgendwo geschrieben, dass alle Ägypten gekifft haben, aber in den Bereichen Medizin und Magie wird „Shemshemet“ immer wieder erwähnt.

Die besondere Rolle der Frauen am Nil

Im Gegensatz zu den Reichen der Sumerer, Chinesen oder auch in Indien hatten Frauen im alten Ägypten relativ viel Freiheit und genossen ein hohes Maß an Rechtssicherheit. Unternehmerinnen im Schatten der Pyramide waren nicht selten und in den letzten Jahren sind immer mehr Studien erschienen über vor allem mittelalte Frauen, die in der Heilkunst genauso wie Männer tätig waren. Das damalige Studium umfasste keine Pathologie, wohl aber das Erlernen von Zaubersprüchen und den Einsatz heiliger Kräuter, schließlich wurden Krankheiten oft noch mit bösen Geistern in Verbindung gebracht.

Verkörperung dieser Bestrebungen war die Göttin Seschat, ihres Zeichens verantwortlich für die Schreiber, Hausbauer und Mediziner. Schaut Euch mal Zeichnungen an von dieser Seschat, deren Krone aussieht wie ein Hanfblatt. Weil aber Schreiber teuer waren und Zeit damals schon Geld, haben wohl die Frauen vieles aufgezeichnet im Bereich der Medizin und es gibt unzählige Berichte zur Diagnostik, stets gemischt mit Magie und der Suche nach einer wirkungsvollen Heilmethode.

Wegmarken von Cannabis in der ägyptischen Hochkultur

Es gibt einige besondere Schriftstücke respektive Papyri, die auf Hanf hinweisen und zwar quer durch alle Abschnitte vom Alten über das mittlere bis hin zum neuen Reich samt der drei Zwischenzeiten. Unsere heutigen, modernen Anwendungsgebiete der Cannabismedizin – Schmerzen, Übelkeit, Depressionen – spielten in Ägypten natürlich auch eine Rolle und erstaunlicherweise finden sich immer wieder Hinweise auf den Einsatz des beschriebenen „Shemshemet“. Offenbar wird Gras seit Urzeiten so verwendet wie heute auch – und es ist nebenbei gesagt absurd, das Cannabis weiterhin zu verbieten zugunsten von extrem schädlichen Alkohol.

Besondere Beachtung verdienen beispielsweise folgende Quellen:

  • der Kahun Papyrus aus dem 19. Jahrhundert vor Christus, eine Art Handbuch der Gynäkologie, in dem ausführlich über aus Pflanzen hergestellte Heilspeisen, Zäpfchen und Wirkstoffe berichtet wird zum Kurieren aller möglichen Erkrankungen des Uterus,
  • der medizinische Papyrus aus einem Tempel von Ramses III, der Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert zur Behandlung von Augenkrankheiten explizit mit Cannabis enthält,
  • der Ebers Papyrus aus dem 16. Jahrhundert als vollständige Medizinliste, in der „Shemshemet“ direkt erwähnt und empfohlen wird zur Linderung von Regelschmerzen und zur Heilung bei eingewachsenen Zehnägeln und
  • der Chester Beatty Papyrus mit der Anleitung für ein Zäpfchen aus Hanf, Fett und Blättern zum Kurieren von Magen-Darm-Erkrankungen mit Durchfall.

Im ersten Jahrtausend vor unserer Zeit war Cannabis in der gesamten mediterranen Welt selbstverständlich. Ob die alten Ägypter nun wirklich die ersten waren mit einer ausgeprägten Heilkunde zum Cannabis, lässt sich schwer nachweisen – doch die Präsenz von Hanf am Nil zeigt uns einmal mehr, wie eng und fruchtbar die Verbindung von Mensch und Marihuana gewesen ist zu Anbeginn der Kultur.