Nutzhanf – vielseitig und seit Jahrtausenden in Gebrauch

Nutzhanf – vielseitig und seit Jahrtausenden in Gebrauch 2018-05-08T17:04:01+00:00

nutzhanfWer heute von Cannabis redet, meint in der Regel die berauschenden Bestandteile der Hanfpflanze wie Haschisch und Marihuana. Zugleich ist jedoch auch Nutzhanf weit verbreitet und diese genuin rauscharmen Sorten der Cannabispflanze werden auf vielfältige Weise seit Anbeginn der menschlichen Kultur genutzt. Heute ist oft auch von Industriehanf die Rede, wobei der Gehalt der Pflanzen in der Regel weit weniger als ein halbes Prozent THC aufweist, dafür jedoch einen hohen Anteil an vielseitig verwendbaren Fasern.

Bekannte Produkte, die sich aus Nutzhanf gewinnen lassen, sind zum Beispiel die Hanfsamen für Lebensmittel, das Hanföl und natürlich die Fasern für Seile, Segel oder Kleidung. Mittlerweile gibt es sogar Säfte aus der Hanfpflanze und die Nahrungsmittelindustrie entwickelt ständig neue Einsatzgebiete für diese robuste, seit Ewigkeiten genutzte Pflanze. Der Anbau freilich ist strengen Kontrollen unterworfen, hier besteht eine ähnliche Hysterie von Seiten der Politik wie bei den mit hohem THC Anteil gesegneten Cannabissorten und die entsprechenden Anbaugebiete werden aufwendig bewacht.

Wusstet Du, dass …

1. Wusstest du, dass ...

… es heute sogar Trinkhanf gibt, ein köstliches und wertvolles Nahrungsmittel?

2. Wusstest du, dass ...

… verzweifelte Kiffer manchmal sogar ihre Kleidung rauchen, auch wenn das nichts bringt?

3. Wusstest du, dass ...

… der Anbau streng bewacht wird und die Felder mit Nutzhanf oft eingezäunt werden?

Ein Blick in die Historie

Schon die Vorgeschichte des Altertums kennt die Verwendung von Hanf. Es fanden sich Spuren in Gräbern in China und Indien, damals diente der Werkstoff vor allem der Herstellung von Seilen, später von Segeln und Textilien. Von den Ursprungsgebieten in Asien verbreitete sich die Pflanze und deren Nutzung schnell über den Globus bis nach Europa, das zeigen ebenfalls Grabungen und wichtige Funde der Archäologie. Hanf trat gerade im Mittelalter an die Seite von Flachs als bedeutsamer Industriestoff, schließlich lässt er sich leicht anbauen, verarbeiten und bietet vorzügliche Eigenschaften wie eine bestechende Festigkeit.

Der Einsatz als Schiffstau und Segel war gebräuchlich und auch heute gibt es noch Hanfsäcke zur besonders robusten Aufbewahrung von Gütern. Papier aus Hanf war ebenso weltweit in Gebrauch. Später allerdings, im 20. Jahrhundert, wurde Cannabis und Hanf in Bausch und Bogen verurteilt, der Anbau selbst THC ärmster Sorten wurde in den meisten Ländern verboten. 

Der Anbau von Nutzhanf

Aufgrund immer noch sehr restriktiver Vorschriften ist Industriehanf in der Gewinnung geradezu hysterischen Bedingungen unterworfen. Im Moment sind in Europa rund 40 Sorten erlaubt. Dabei ist der Anbau zum einen nur mit kontrolliertem Saatgut und zum anderen nur durch vorherige Anzeige bei den zuständigen Ministerien möglich, ein Umstand, der angesichts des geringen THC Gehalts ziemlich lächerlich erscheint.

Der Hanfbauer hat mit ähnlichen Herausforderungen zu tun wie der heimlich agierende Hobbygrower, schließlich ist die Cannabispflanze in Bezug auf Boden, Wetter oder auch bei der Fruchtfolge in der Regel gleich zu behandeln. Ein mit Nährstoffen gut durchsetzter Boden eignet sich gut und auch wenn die Pflanze allgemein recht robust wächst, braucht es vor allem für das Wachstum ein warmes Klima. Für eine ständige Bewässerung muss ebenfalls gesorgt werden. Hanf bietet darüber hinaus tolle Bedingungen für den nachfolgenden Anbau anderer Pflanzen, weil sich breite Wurzeln und eine Auflockerung der Böden einstellen.

Die Ernte: Cannabis mit Mähdrescher einholen?

Wie andere Nutzpflanzen auch wird der Industriehanf im Frühjahr ausgesät, später gedüngt und er bleibt dabei vergleichsweise wenig anfällig gegenüber Schädlingen beziehungsweise Unkräutern. Je nach Sorte und Anbau gibt es heutzutage spezielle Erntemaschinen, wobei der berühmte Mähdrescher so nicht zum Einsatz kommt. Es gibt da eher spezialisierte Maschinen, wobei die Industrie immer wieder neue Modelle präsentiert und der Hanfbauer am besten up to date bleibt. In der Regel wird im Sommer und im Spätsommer geerntet, wobei sich bei einer beabsichtigten Nutzung der Hanfsamen diese Zeiten bis in den Herbst hinein verschieben können.

Überwachung: Obwohl Nutzhanf als Rauschmittel ungeeignet ist, machen Behörden und zwangsweise auch Bauern nicht selten ein Geheimnis um die Anbauflächen. Das zeigt die völlig verzerrte Wahrnehmung von Cannabis vor allem durch die Politik und es wird Zeit, dass hier endlich realistische Regelungen zum Hanfanbau beschlossen werden.

Vielseitige Verwendung von Nutzhanf

Wie bereits weiter oben beschrieben ist der industriell genutzte Hanf enorm breitgefächert in der Verwendung. Als wichtiger Rohstoff kommt die Pflanze selbst in der Bauwirtschaft zum Einsatz, es mit heute mit Hanf verstärkte Kunststoffe und unzählige Lebensmittel mit mehr oder minder hohem Anteil.

Hanffasern

Zweifellos ist die Verwendung der Fasern am häufigsten und die für Nutzhanf in Frage kommenden Sorten haben oft Faseranteile von über 40 Prozent. Diese Bestandteile sind seit Urzeiten in Gebrauch, vom einfachen Seil über das Tau auf Schiffen bis zum Hanfpapier, aus dem beispielsweise die berühmte erste Bibel des Johannes Gutenberg hergestellt ist! Auch die spanischen Eroberer und Entdecker bespannten ihre Schiffe mit Hanfsegeln und heute ist es vor allem die Kleidung, die hier Verwendung findet. Eine vergleichsweise junge Verwendung hingegen betrifft Dämmstoffe sowie den Einsatz als Brennmaterial.

Lustig: Wer einen Joint raucht, wählt dazu nicht Haschisch oder Marihuana, auch das Papier für die Jolle ist oft aus der Hanfpflanze gewonnen. Das erhöht freilich nicht den Effekt und entsprechend absurd sind die Berichte, nach denen einige Leute auf der Suche nach richtigem Stoff schon mal Jeans oder das eigene Schuhwerk verrauchten. Ein sinnloser, aber ziemlich kurioser Versuch!

Hanfsamen

Wie die Fasern sind auch die Samen von Nutzhanf vielseitig in Gebrauch. Mancher spricht hier von Nüssen, weniger als einen halben Zentimeter großen Früchten, die neben hochwertigen Fettsäuren auch Vitamine sowie Spurenelemente und weitere, leicht verdauliche Bestandteile bieten. Eine gesunde Ernährung verwendet heute wie selbstverständlich Hanfsamen und profitiert dabei von den enthaltenen Proteinen und vielem mehr. Tierfutter mit solchen Samen ist ebenfalls sehr verbreitet. Weiter finden sich Mehle, Suppen, ja sogar speziell Buttersorten im Angebot und wer will, kann die Hanfsamen auch gern geröstet den Speisen zumischen oder diese pur genießen.

Hanföl

Die Gewinnung des wertvollen Öls erfolgt durch Pressung. Die Samen können geschält sein oder auch nicht, wobei dieser Umstand Einfluss auf die Färbung des Hanföls hat. Wie die Samen selbst bietet das Öl zahlreiche willkommene Bestandteile und Feinschmecker wissen den recht nussigen Geschmack zu schätzen. Es kommt dann zum Beispiel bei der Würzung von Salaten als Dressing zum Einsatz, während Braten ungebräuchlich ist, dafür bleibt das Hanföl zu empfindlich gegenüber Hitze.

Wie selbstverständlich setzt mittlerweile die Schönheitsindustrie auf das Hanföl. Es gibt unzählige Kosmetikprodukte und offensichtlich tut das Öl der Haut gut, hilft beim Heilen von Wunden oder glättet Falten. Hier empfiehlt es sich jedoch, die neusten Studien und Forschungsergebnisse ein wenig zu studieren, schließlich ist auch das beste Hanföl keine Gewähr für ewig jugendliche Haut oder andere Versprechungen der Kosmetikbranche!

Gesundheit, Geschmack und Hanföl?

Cannabis ist mittlerweile immer häufiger als Arzneimittel in Gebrauch und hier finden sich durchaus Berührungspunkte mit Nutzhanf. Dieser findet Eingang in Getränke, Bonbons, in hochwertige Schokoladensorten und ist selbstverständlich auch als Massageöl geeignet. Die Anbieter schreiben dem Hanföl eine beruhigende Wirkung zu, auch soll es zur Entspannung bei Verkrampfungen und Prellungen beitragen. Ganz folgerichtig haben sich heute spezielle Therapien entwickelt und niemand muss die Rauschsorten des Cannabis rauchen oder essen, um von den wohltuenden Eigenschaften der Pflanze profitieren zu können. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Atemtherapie, Hanf soll die Lunge reinigen und bei Beschwerden eine verlässliche Hilfe sein.

Nutzhanf zum Trinken

Sicher, ein netter Hanf Kakao, das kennt jeder Kiffer, aber ganz allgemein ist Industriehanf mit verschwindend geringem THC Anteil auch als Getränk erhältlich. Dabei stehen wiederum die Samen im Mittelpunkt und durch die Verarbeitung entsteht eine Flüssigkeit, die aussieht wie Milch, dank wie schon erwähnt recht idiotischer Vorschriften jedoch nicht als solche bezeichnet werden darf.

Medizinischer Nutzen

Wie schon erläutert ist Nutzhanf für einen Rausch und damit auch für eine speziell medizinische Anwendung im klassischen Sinne nicht geeignet. Trotzdem sprechen viele Anwender auch beim mit hohem THC Anteil gesegnetem Cannabis manchmal von industriell nutzbaren Hanf, weil dieser beispielsweise in den USA oder in den Niederlanden auf großen Flächen angebaut und immer häufiger bei allen möglichen Krankheiten eingesetzt wird. Natürlich braucht es für das Rezept in der Apotheke spezieller Genehmigungen, aber der stark wachsende Gebrauch macht bei den Rauschsorten einen vergleichbaren Aufwand wie beim normalen Nutzhanf nötig. Ein gutes Beispiel dafür sind die Arzneimittel in Form von Öl, Kapseln, deren Herstellung einiges an Erfahrung und Kenntnis erfordert.

Vorurteile verzerren die Diskussion: Mit Sicherheit steht deshalb der Begriff Nutzhanf vor einer Ausweitung und Aufwertung. Wenn sich die Rechtslage gegenüber Cannabis im Allgemeinen verändert, dann wird auch die Rauschsorte bald als industriell genutzter Rohstoff angesehen (Stichwort: Pharmaindustrie) und möglicherweise wird in ein paar Jahren kein großer Unterschied bei der Bezeichnung, sondern nur noch bei den angebauten Sorten selbst gemacht.

Die heutige Rechtslage in Deutschland und Europa

Prinzipiell ist der Anbau des Nutzhanfs in der BRD und anderswo für Privatleute untersagt. Es klingt schon beinahe ideologisch verbohrt, wenn dabei weder das Geschlecht noch der THC Gehalt der Pflanze eine Rolle spielt. Wer erwischt wird hat auf jeden Fall mit strafrechtlicher Verfolgung zu rechnen. Nur die Landwirtschaft in Ausnahmefällen ist dazu befugt. Schlaue Unternehmer suchen sich hier in der Regel Landwirte, die den Anbau den Behörden melden und die natürlich auch die Pflege der Pflanzen und deren Ernte übernehmen.

Zudem bestehen Einschränkungen für die Sortenwahl, hier hat die Europäische Union eine bestimmte Anzahl und Klassifizierung festgelegt. Samen aus dieser Produktion dürfe nicht mehr verwendet werden, schließlich ist mit etwas Mühe bei der Kreuzung dann durchaus ein weit höherer THC Bestandteil möglich als beim ursprünglichen Nutzhanf.

Nutzhanf anbauen: Worauf ist zu achten?

Wen die Rechtslage und deren aufwendige Verfahren nicht schrecken oder wer auf die baldige Legalisierung von Cannabis setzt, der kann die Industriepflanzen relativ einfach selbst anbauen. Man muss sich dazu bei den zuständigen Stellen um Saatgut bemühen, im Moment gibt es da nur einige Sorten und auch von denen ist längst nicht alles auch wirklich verfügbar! Trotz zahlloser Vorteile des Rohstoffs Hanf legen bierselige Politiker und Verwalter dem Anbau alle möglichen Steine in den Weg, das ist für eine eigenständige Pflanzung von Nutzhanf unbedingt zu beachten.

Anzeigen: Jedes Jahr muss bis Mitte Juni der Anbau des Hanfs beim BLE angezeigt werden. Hier sind dann die verwendeten Sorten zu klären, mitunter muss sich der Bauer auch noch um spezielle Zertifizierungen bemühen. Immer wieder kommt es zu erheblichen Problemen weil dieses oder jenes Siegel fehlt und mitunter werden ganze in der Blüte stehende Nutzhanffelder vernichtet, weil die Behörden ihr ewiges Katz und Maus Spiel nicht unterlassen kann. Diese „Willkür“ ist bis auf weiteres leider nicht zu umgehen, lässt sich aber durch Umsicht bei der Planung einigermaßen einschränken.

Wichtig sind in der Checkliste:

  • Boden: Sollte gut zu bewässern seyn, der pH-Wert nicht niedriger als 5,8 ausfallen. Schwarzerde, Steppenboden, ganz allgemein Lößböden sind hier die allererste Wahl.
  • Aussaat: Möglichst früh durchführen, April oder spätestens Anfang Mai, damit die Temperatur des Bodens nicht zu tief absinkt oder Nachtfrost die Saat beeinträchtigt. Die Körner / Samen können ähnlich wie klassisches Getreide wenige Zentimeter tief und voneinander entfernt in der Reihe in den Boden gebracht werden.
  • Dünger: Dünger und das Einbringen der Samen gehen ineinander über, wobei im späteren Wachstumsprozess des Nutzhanfs weiter gedüngt werden muss.
  • Wachstumsphasen: Zunächst sprießen die Pflanzen langsam, die Wurzeln bilden sich aus in den ersten vier Wochen und lobenswert ist die robuste Widerstandsfähigkeit von Industriehanf gegenüber nervigem Unkraut. Nach ungefähr fünf Wochen nimmt das Wachstum rapide zu und im Sommer beginnt die Blütephase, wobei ganz allgemein die männlichen Vertreter schneller zulegen als die weibliche Hanfpflanze.
Nutzhanf – vielseitig und seit Jahrtausenden in Gebrauch
4.5 (90%) 2 votes