Berliner ÄrztekammerNun auch noch Günther Jonitz, der Präsident der Berliner Ärztekammer, dürften sich einige Menschen denken. Denn genau dieser Mann strickt die Debatte um einen liberaleren Umgang mit Cannabis weiter. Zwar fügt er dabei auch Warnungen hinzu, ist sich aber sicher, dass es besser wäre, wenn man endlich mal offen und ganz ehrlich über das Thema Cannabis und Drogen sprechen würde. Denn für ihn steht fest, Alkohol ist viel gefährlicher.

Alkohol ist gefährlicher als Cannabis

Für eine liberale Cannabispolitik hat sich nun der Präsident der Berliner Ärztekammer Günther Jonitz ausgesprochen. Für ihn ist das Thema eine wichtige Angelegenheit, über die man nun endlich mal ehrlich und sachlich sprechen sollte. Schließlich sei es gar nichts Ungewöhnliches, dass es Menschen gibt, die sich in einen Rausch versetzen wollen. In vielen Kulturen weltweit suchen Menschen nämlich genau das, wie Jonitz erklärte. Zumal Jonitz zudem auch beifügte, dass er als Arzt die Droge Alkohol als weitaus gefährlicher ansehe, als die Droge Cannabis. Und genau damit dürfte der Präsident der Berliner Ärztekammer sicherlich einigen Politikern, Kollegen und anderen Cannabisgegnern auf den Schlitz getreten sein. Schließlich wird in Debatten um eine Legalisierung von Cannabis auch immer wieder die große Gefährlichkeit von Cannabis betont und der Mythos aufrechterhalten, dass Cannabis eine Einstiegsdroge sei, die schnell auch dazu führen kann, dass Abhängige zu härteren Drogen greifen. Dabei sind in Deutschland weitaus weniger Menschen überhaupt von Cannabis oder anderen Drogen abhängig als von Alkohol. Laut Bundesgesundheitsministerium haben rund 600.000 Menschen hierzulande ein Problem mit Cannabis und illegalen anderen Drogen. Aber etwa 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig, wobei das Bundesgesundheitsministerium sogar davon ausgeht, dass sogar etwa 9,5 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitsschädlichen Dosen konsumieren (Quelle: Bundesgesundheitsministerium.de). Die Aussage vom Präsidenten der Berliner Ärztekammer hat also durchaus einen belegbaren Wahrheitsgehalt. Trotzdem sieht auch Jonitz Gefahren.

Für Kinder und Jugendliche sollte es keine Erlaubnis geben

Bei Kindern und Jugendlichen hört aber auch bei Jonitz der liberale Gedankengang auf. Denn für sie ist Cannabis sehr gefährlich. Weil das Gehirn von Kindern und Jugendlichen noch nicht ausgewachsen ist, kann Cannabis schlimme Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung haben. Wie Jonitz erklärte, sei die Zahl von Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren angestiegen, die an unheilbaren Psychosen leiden und dadurch sogar Suizid begehen. Daher plädiert der Präsident der Berliner Ärztekammer auch dafür, dass bei einer Legalisierung strickte Altersgrenzen gezogen werden sollten.

Appell an das Land Berlin für Cannabisgesetz im Straßenverkehr

Für Jonitz ist klar, dass die Problematik, die mit Cannabis entstehen kann, nicht dadurch gelöst werden kann, dass man weiterhin auf ein Verbot setzt. Vielmehr sieht er nur in einem sachlichen und liberalen Umgang die Chance, auch für Risikogruppen einen besseren Weg zu finden, was auch Untersuchungen schon gezeigt haben.

Auch beim Straßenverkehr sieht Jonitz eine unfaire Behandlung von Cannabis-Konsumenten. Denn während nach seinem Beispiel Menschen, die mit 170 Kilometer pro Stunde über die Stadtautobahn rasen nur vier Monate Fahrverbot bekommen, haben es Cannabissünder schwerer. Sie verlieren den Führerschein gleich für ein Jahr und müssen zum „Idiotentest“, egal, bei welcher THC-Menge im Blut und ob sie fahruntüchtig waren oder nicht. Dieses Messen mit zweierlei Maß hält Jonitz für unangebracht, da der Raser ja sogar in purer Absicht sich und andere gefährdet. Daher appelliert Jonitz auch an das Land Berlin, im Bundesrat ein Gesetz zur Amnestie von Cannabissündern im Verkehr einzubringen.