Cannabis DecarboxylierungWenn wir einen Joint rauchen oder Cannabis im Vaporizer verdampfen, dann wird durch die Hitze die Decarboxylierung als gewissermaßen Freischalten der Cannabinoide automatisch durchgeführt. Hanf bekommt durch Erhitzen erst den richtigen Kick und es ist wichtig, vor allem bei Cannabis Rezepten auf das Decarboxylieren zu setzen. Im Prinzip wird Gras als klebriges Kraut aufgewertet hin zu einer für Medizin und Rausch geeigneten Potenz, die rein chemisch betrachtet Carboxyl-Säuren von Fett-Molekülen löst. Wie funktioniert das bei Marihuana und welche Besonderheiten müsst Ihr bei der Cannabis Decarboxylierung beachten?

Decarboxylierung als Prozess: Cannabinoide im Fokus

Ganz grundsätzlich können wir den Prozess des Erhitzens von Cannabis als Aktivierung verstehen: Die natürlichen Komponenten beim Hanf werden medizinisch (und genussmittelmäßig) in hoch wirksame Bestandteile transformiert. Bekanntlich ist das THC als Tetrahydrocannabinol für den Rausch beim Kiffen verantwortlich – doch das ist in frischen Hanfpflanzen gar nicht vorhanden! Eigentlich ist THC dann sogar eine Art Abfallprodukt aus der THC-Säure, dem THCA, und nur durch Erhitzen oder eben Verbrennen beziehungsweise Verdampfen wird die psychoaktive Substanz aktiviert.

Die Prozesse des Erhitzens von Cannabis, das Übergangs von THC-Säure zu THC wird Decarboxylierung genannt. So ist dann auch nachvollziehbar, warum selbst die Indianer und Inder vor tausenden Jahren das Gras eben nicht gekaut haben, sondern rauchten – und wir verwenden als Kiffer und Hanfpatienten die gleichen Methoden. Zugleich kochen wir aber gerne mit allen möglichen Ideen und Rezepten und um hier das Cannabis auf volle Potenz zu bringen, ist die Decarboxylierung im Vorfeld bei sehr vielen Gerichten erforderlich.

Welche Rezepte erfordern eine Decarboxylierung?

Logisch: Wenn wir Cannabisbutter herstellen und die dann in den Kuchen tun, dann müssen wir kein zusätzliches Gras erhitzen! Deshalb wird dieser Prozess in erster Linie bei folgenden Anwendungen rund um Kochen und Backen beziehungsweise beim Verarbeiten von Cannabis durchgeführt:

  • Herstellung von Cannabis-Tinkturen
  • Herstellung von Hanföl, Keksen, Getränken und vielen Speisen
  • Herstellung von Cannabis-Konzentraten, die dann für Speisen und Getränke verwendet werden – beispielsweise Cannabis-Honig oder auch Cannabis-Eis

Wichtig ist hier zu wissen, dass das genannte THCA aller Wahrscheinlichkeit nach auch therapeutische Effekte aufweist – und einige Hanfpatienten daher das Gras frisch und roh belassen! Berichtet wird von guter Wirkung gegen Übelkeit und von Entzündungshemmenden Eigenschaften, was sich beispielsweise für das Mixen frischer Säfte und Smoothies verwenden lässt.

Wird die Decarboxylierung auch mit CBD durchgeführt?

Ähnlich wie beim THC gibt’s im rohen, frischen Hanf kaum aktives CBD, das in diesen Tagen so beliebte und erfolgreiche Cannabidiol als Wirkstoff für unzählige Leiden und Beschwerden. Auch hier hat die CBD-Säure, das CBDA, eine schlechte Bioverfügbarkeit – Forscher halten diesen rohen Zustand jedoch auch für sehr aussichtsreich, um künftig darauf basierend neue Medizin anbieten zu können! Aber klar, wenn wir jetzt CBD-Öl und Co kaufen online oder im Fachgeschäft, dann hat das enthaltene CBD ebenfalls eine Decarboxylierung durchlaufen und wird so aktiviert. Die in den USA als CBDA-Kristalle erhältlichen werden beim Erhitzen, beim Backen und Rauchen lediglich in CBD umgewandelt – das sind also keine magischen Kristalle, sondern lediglich pfiffige Verkaufsofferten.

Immer ist die Decarboxylierung im Zusammenhang mit den jeweiligen Cannabinoiden und Terpenen von bestimmten Temperaturen abhängig: CBDA beispielsweise lässt sich im heißen Kaffee auflösen (Daher der reißende Absatz dieser als Kristalle verkauften Produkte!) – doch wird eben auch nicht das volle Potenzial vom CBD abgerufen, weil es dafür höhere Temperaturen und mehr Zeit braucht. Einzige Ausnahme: Der Vaporizer, der Cannabis passgenau bei einstellbarem Hitzegrad schnell verdampfen kann!

Wie wird die Cannabis Decarboxylierung durchgeführt?

Sehr simpel oder sehr fachgerecht und aufwendig: Je nach Absicht etwa beim Kochen und Backen und dazu abhängig vom gewünschten Effekt reichen wenige Minuten oder aber es sind mehrere Stunden für die Decarboxylierung von Hanf erforderlich. Von der Butter über Öl bis hin zum Cannabis Alkohol und als Prise Gras für die Pasta – Mittels Erhitzen wird das Gras in Form und Potenz gebracht.

Zunächst müssen wir aber noch eine Trennung machen zwischen Marihuana, Haschisch und Cannabis-Öl. Das sind unterschiedliche Formen von Hanf und entsprechend verläuft hier auch die Decarboxylierung anders.

Die Temperatur entscheidet:

  • Im Ofen bei 110 Grad Celsius: Marihuana für 10 bis 20 Minuten und Haschisch für eine halbe Stunde
  • Im Öl-Bad bei 120 Grad Celsius: Cannabis-Öl solange drin behalten, bis die Bläschen sich auflösen
  • In kochendem Wasser bei 100 Grad Celsius: Marihuana und Haschisch für jeweils 90 Minuten

Freilich sind niedrigere Temperaturen wiederum von Vorteil für die gleich zu besprechenden Terpene. Diese Duft- und Aromastoffe werden gerade von Kiffern, Hanfpatienten und der Wissenschaft quasi entdeckt und Euer Gras schmeckt nach Beeren, Honig, Pinie oder Minze weil die Terpene diese Noten verleihen! Auch ist eine therapeutische Wirkung bekannt – dazu gleich mehr.

Anleitung zur exakten Decarboxylierung – Abhängig vom verwendeten Cannabis
  1. Decarboxylierung von Marihuana

Was Ihr braucht: Marihuana, Backschale mit umklappbaren Ecken, Aluminiumfolie, Holzlöffel, Ofen mit Thermometer beziehungsweise einstellbarer Temperatur.

Wie wird’s gemacht:

  • Ofen auf 110 Grad vorheizen
  • Gras in Backschale tun und mit Folie einwickeln
  • Cannabis nach Temperaturvorgabe und Zeit erhitzen, wenigstens einmal kurz in der Schale umrühren – Bitte die Ofentür nicht zu lange auflassen, konstante Temperatur ist wichtig!

Cannabis ändert seine Farbe vom typischen Grün hin zu goldenem Braun oder auch einem sehr dunklen Grün. Damit ist die Decarboxylierung auch abgeschlossen und der Hanf steht zum Backen, Kochen und für köstliche Drinks bereit.

  1. Decarboxylierung von Haschisch

Was Ihr braucht: Haschisch, Backschale mit umklappbaren Ecken, Aluminiumfolie, Holzlöffel, Ofen mit Thermometer beziehungsweise einstellbarer Temperatur.

Wie wird’s gemacht:

  • Ofen auf 115 Grad vorheizen
  • Haschisch in Backschale tun und mit Folie einwickeln
  • Cannabis nach Temperaturvorgabe und Zeit erhitzen, wenigstens einmal kurz in der Schale umrühren > Bitte die Ofentür nicht zu lange auflassen, konstante Temperatur ist wichtig!

Tipps und Tricks für die Cannabis Decarboxylierung

Eigentlich ist das Ganze sehr simpel wie beschrieben. Trotzdem gibt’s für köstliche Hanf Gerichte und ausgesuchte kulinarische Kreationen ein paar Nuancen, die sollten nicht ignoriert werden. So sind stabile Hitze und Temperaturen extrem wichtig, dazu müssen die beschriebenen Zeiten eingehalten werden. Zuviel Hitze lässt das Gras verbrennen und vertrocknen, zu wenig Hitze führt zu keiner ausreichenden Aktivierung.

Ein Ofen heizt oft in Intervallen und Ihr müsst schauen, ob es vielleicht einen einlegbaren Backstein für gleichbleibende Unterhitze gibt. Auch kann in solchen Fällen länger erhitzt werden bei niedrigeren Temperaturen, weil dadurch die Decarboxylierung auch zuverlässig möglich ist – aber Ihr müsst dann die Temperatur auch kontinuierlich erhöhen und daher den ganzen Prozess umfassend überwachen.

Cannabinoide und Terpene: Siedepunkte und Anwendungsgebiete

Ok, das ist dann schon etwas für Profis und wenn Ihr äußerst gerne kocht, backt und Euch am Cannabis mit seinen unzähligen Eigenschaften und Wirkstoffen etwa auf die Gesundheit befasst, dann zeigt Euch der THC.Guide hier mal eine Übersicht zu allem, was sich sonst noch herausholen lässt aus unserem Hanf. Wir nehmen mal die bekanntesten Inhaltsstoffe zum Abschluss in die Übersicht:

  1. Cannabinoide
  • THC (Tetrahydrocannabinol)

Siedepunkt: 157°C

Anwendungen: Schmerzen, Entzündungen, Antioxidans, Übelkeit, befördert Euphorie

  • CBD (Cannabidiol)

Siedepunkt: 170°C

Anwendungen: Angststörungen, Schmerzen, Psychosen, Entzündungen, Antioxidans, Spastiken

  • CBN (Cannabinol)

Siedepunkt: 185°C

Anwendungen: Sedativum, antibiotisch

  • CBC (Cannabichromen)

Siedepunkt: 220°C

Anwendungen: Entzündungen, Pilzerkrankungen, antibiotisch

  • THCV (Tetrahydrocannabivarin)

Siedepunkt: 220°C

Anwendungen: Schmerzen, befördert Euphorie

  1. Terpene

Als Aroma und verantwortlich für die Note im Geschmack und Geruch sind Terpene mittlerweile für viele Kiffer und Hanfpatienten die Essence beim Kochen und Backen, aber auch beim Kiffen von Cannabis. Der Joint schmeckt nach Blaubeere? Das kommt von den Terpenen und mit den richtigen Temperaturen ist auch hier eine Decarboxylierung möglich – allerdings braucht es weniger Hitze zur Aktivierung dieser gleichfalls wertvollen Inhaltsstoffe beim Hanf.

  • Myrcene

Siedepunkt: 167°C

Anwendungen: Schmerzen, Entzündungen, Pilzerkrankungen, antibiotisch

  • Caryophyllene (Pfeffernote)

Siedepunkt: 120°C

Anwendungen: Entzündungen, Übelkeit und Durchfall, Malaria

  • Limonene (Zitrone)

Siedepunkt: 177°C

Anwendungen: Immunsystem stärken, Depressionen, antimutagen

  • Linalool (Blumenaroma)

Siedepunkt: 198°C

Anwendungen: Sedativum, Depressionen, Angststörungen, Immunsystem stärken

  • Cineole: (Eukalyptus-Aroma)

Siedepunkt: 176°C

Anwendungen: Blutzirkulation, Stimulanz, AChE-Inhibitor, antiviral, antibiotisch

  • Pinene (Pinie)

Siedepunkt: 156°C

Anwendungen: Atemwegserkrankungen, Stimulanz, Entzündungen, antibiotisch

  • Terpinol (Holz-Aroma)

Siedepunkt: 217°C

Anwendungen: Sedativum, antibiotisch, Antioxidans, Malaria

  • Borneol

Siedepunkt: 210°C

Anwendungen: antibiotisch

Bei Fragen und Hinweisen bitte an den THC.Guide schreiben – Decarboxylierung ist ein wichtiger und bei einigen Inhaltsstoffen durchaus kniffelig. Wir beantworten gerne alle Anfragen, schließlich sollen Eure Cannabis Rezepte richtig krachen und hierfür ist die Erhitzung im richtigen Umfang maßgeblich.