Cannabis Alkohol Regulierung

Wir schauen auf eine Debatte, nach die Legalisierung von Cannabis auch zu einer besseren Regulierung von Alkohol führen sollte – ist das realistisch? (Bild von Gerd Altmann auf Pixabay).

Noch ist die Legalisierung von Haschisch und Marihuana in Deutschland nicht durchgeführt und wir wollen im Vorfeld mal auf ein paar wichtige Aspekte für den erfolgreichen Start eingehen. Aktivisten und Befürworter der Cannabinoide verweisen bei Gesprächen mit Gegnern von Gras häufig auf erlaubte alkoholische Getränke und schlagen eine vergleichbare rechtliche Einstufung für den Hanf vor. In der Praxis jedoch kommt es fast nie zu einer ähnlichen Regulierung von Cannabis und Alkohol, was wir gut besichtigen können in Ländern, die bereits eine moderne Drogenpolitik am Start haben. Ein Beispiel ist etwa Boston in den USA, wo für Grasblüten mehr als 10% Steuern bezahlt werden müssen und für Bier nicht mal 1%. Auch werden viele Hanfprodukte bei der Menge im Verkauf limitiert, während bekanntlich sowohl in den Staaten wie auch bei uns Schnaps mit den höchsten Prozenten gerne kistenweise gekauft werden darf.

Warum gibt’s für Spirituosen keine Obergrenze beim Verkauf wie für Cannabis?

Wer sich ernsthaft die Mühe macht und nicht wie Markus Söder ständig nur auf der Suche ist nach billiger Polemik kennt mit Sicherheit den Stand der Wissenschaft und bei einem Vergleich von Alk und Hanf schneidet der Fusel nun mal deutlicher schlechter ab in puncto Risiko und Gesundheitsgefährdung. Noch so viele Schreckenszenarien und Teufel an der Wand können diese Fakten nicht übermalen und in Deutschland erinnert die Debatte zur Legalisierung von Cannabis auch nach dem Beschluss der Ampel-Parteien an das Gedöns der Marktschreier.

In den USA ist die Lage zwar besser, aber nicht rosig. Kaum ist die Freigabe von Gras beschlossen und zeigt erste Erfolge beim Jugendschutz und dem Austrocknen vom Schwarzmarkt treten aufgeblasene Schein-Experten in das mediale Scheinwerferlicht und kramen uralte, lange und vielfach widerlegte Fake News über das Kiffen hervor. Ziel solcher Aktionen ist die Rückgewinnung der staatlichen Aufsicht, das Ausleuchten der Privatsphäre und dafür werden Verschärfungen der Cannabis Gesetzeslage gefordert.

Limits beim THC in den Hanfprodukten oder die Anhebung der Altersgrenze auf groteske 25 Jahre stehen auf einmal im Raum – doch zugleich bleibt die Lage beim ungemein schädlichen Alkohol unverändert. Wie wäre es denn, wenn Bier plötzlich nur noch maximal 2% haben darf oder Branntwein bei 30% gesetzlich gedeckelt ist? Die Bierindustrie in Bayern würde laut aufheulen und weniger Spenden an die CSU ankündigen, was solchen Parteien wiederum seit Jahrzehnten als Antrieb für unverschämte Lügen über die Hanfpflanze dient. Immerhin wehren sich Bürger in Übersee, wo einige Bundesstaaten besondere Formen der demokratischen Teilhabe praktizieren.

Vorschläge für eine faire Regulierung der Genussmittel zum Kiffen und Trinken

In Massachusetts nämlich haben die Einwohner Möglichkeiten, eigene Ideen für Gesetzesänderungn bei der Körperschaft einzureichen – bei uns sind bekanntlich die Bierpolitiker vor allem von CDU/CSU strikt gegen jede Form von Mitbestimmung und gegen Volksabstimmungen, wohl aus Angst dadurch final in ihrer Inkompetenz und Hinterlist entlarvt zu werden. Die Amis sind freier und so ging jüngst eine ganze Liste von Vorschlägen ein für eine vergleichbare Regulierung von Cannabis und Alkohol. Unter anderem finden sich zum Beispiel folgende Ideen um das Suchtgift Alk mindestens ähnlich wie medizinisch verwendete Cannabinoide einzustufen:

  • Prozentlimits beim Alkohol, natürlich realistisch und nicht als Schaden für die Branche der Brauer und Brenner,
  • eine reduzierte Abgabemenge – wer zum Camping fährt und 2 Kisten Wein mitnehmen will, kann das auch planen und getrennt einkaufen gehen,
  • offizielle Siegel an den Flaschen, die über den Alkoholkonsum informieren ohne dabei wie bei den Zigaretten ein Genussmittel als garantiert tödliche Substanz abzustempeln,
  • kindersichere Verpackungen,
  • Einschränkung von Werbemöglichkeiten – warum ist es erlaubt, im Fernsehen Bier und sogar Schnaps zu preisen wenn doch gerade Kinder und Jugendliche gerne vor der Glotze hocken,

Wie zu erwarten fand sich jedoch kaum ein Politiker mit Weitsicht und der Bereitschaft, wenigstens ein bisschen Gerechtigkeit gegenüber dem Cannabis walten zu lassen. Jedes Jahr sterben viele Leute am Saufen – Tod durch Kiffen jedoch findet statistisch gesehen noch seltener statt als schwere Infektionen mit dem Coronavirus bei Kindern. Der Konsum von Marihuana braucht klare, aber immer faire Regeln, logisch. Angesichts der nachweislichen massiven Schäden sollte aber auch Alkohol sehr wohl härter reguliert sein und wer das verneint und wie üblich bei Gras immer noch von „Rauschgift“ redet will offenbar gar keinen Jugendschutz und keine Prävention.

Gesundheitsschutz als unverzichtbare Grundlage für staatliche Drogenpolitik

Natürlich fordern wie beim THC Guide für die anstehende Weed Legalisierung in Deutschland klare Vorgaben. Schwer bekifft Autofahren geht gar nicht und wer solcherlei Genussmittel an Minderjährige weitergibt muss die volle Härte des Gesetzes spüren. Laut Forschung sinkt der Marihuana Konsum nach einer Freigabe, weil Eltern und Geschwister wie Freunde und sonstige Bekannte ein legales Genussmittel kritisch betrachten ohne wie zu Verbotszeiten die Schwindeleien aus der Politik zu glauben und gleich in Panik geraten wenn es irgendwo nach Gras riecht. Auch wird kein Minderjähriger im lizenzierten Hanf Shop eingelassen. Ein Blick auf die Studien reicht und es ist richtig widerlich, wie weiterhin versucht wird die erwachsenen Bürger und Steuerzahler in der Bundesrepublik bei Thema Cannabinoide hinters Licht zu führen.

Und eigentlich sollten Volksvertreter, die Masken im Freien vorschreiben und sogar eine Impfpflicht mit eher wenig erforschten Vakzinen selbst für Kleinkinder planen, auch beim Alkoholkonsum in Deutschland nun viel konsequenter pro Gesundheitsschutz agieren. Parteispenden hin oder her – die politischen Entscheider in einer Demokratie sind der Bevölkerung verpflichtet und anstatt eine laut tausender Studien viel weniger riskante Substanz wie Cannabis als Sünde der Postmoderne zu verunglimpfen brauchen wir eine Debatte zur korrekten Regulierung aller Suchtstoffe, die für Menschen Gefahren mit sich bringen können.