Cannabis als Medizin: Verwendung und Verfügbarkeit

Cannabis als Medizin: Verwendung und Verfügbarkeit2018-07-10T11:50:55+00:00

Cannabis als MedizinDas Einfallstor heißt Medizinisches Cannabis: Während die Legalisierung von Haschisch und Marihuana als Rauschdroge aufgrund von Lobbyarbeit und Vorurteilen noch etwas dauert, ist der Einsatz von Hanf als Heilmittel bei einer ganzen Reihe von Krankheiten bereits möglich. Das hat gute Gründe und wird weiter ausgebaut, zumal sich in einer aktuellen Umfrage mehr als 80 Prozent der Deutschen für den Einsatz von Cannabis als Medizin aussprechen. Oft genug wird in der Bundesrepublik und auch in Österreich über die Köpfe der Leute hinweg entschieden, doch neue Forschungen zum Thema und der Unwillen vieler Patienten, sich weiter mit chemischen Keulen behandeln zu lassen, führt zu einem Umdenken auch in der häufig etwas halsstarrigen Politik.

Im Mai 2016 wurde deshalb von der Regierung Merkel ein Gesetzentwurf eingebracht, der es schwer erkrankten Menschen künftig erleichtert, sich Cannabis zur Therapie und Linderung ihrer Leiden zu besorgen und die Kosten dafür werden die Krankenkassen tragen. Selbst ausgewiesene Betonköpfe wie die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler haben den Nutzen von medizinisch nutzbarem Marihuana eingesehen und die linke Opposition im Bundestag wird dem Gesetz ohnehin zustimmen. Was also ist heute schon möglich und wie funktioniert der Einsatz von Cannabis zur Therapie überhaupt?

1. Wusstest du, dass ...

… Cannabis in der Apotheke (absurderweise) weit teurer ist als beim Dealer um die Ecke?

2. Wusstest du, dass ...

… Hanf als Heilmittel für eine Vielzahl von Anwendungen hervorragend geeignet ist?

3. Wusstest du, dass ...

… vor allem das Problem Fahrtüchtigkeit für eine Legalisierung gelöst werden muss?

Welche Krankheiten lassen sich mit Cannabis kurieren?

Natürlich sind auch die Hanfblüten und deren Extrakte kein Allheilmittel. Wer solches behauptet gehört wahrscheinlich zu den unseriösen Cannabisadepten, die das Kraut als Wunderdroge verehren und dabei jedes Maß vermissen lassen, was wenig zu einer gehaltvollen Diskussion beiträgt. Auf der anderen Seite sind aber auch die mit großer Verve vorgetragenen Bedenken der Pharmalobby vor allem dem eigenen Profit geschuldet, schließlich lässt sich Hanf, lassen sich Haschisch und Marihuana im Zweifelsfall superbillig produzieren, ganz im Gegenteil etwa zu teuren Schlafmitteln oder Appetitanregern. Hier fürchten die Konzerne eine große Konkurrenz und so arbeiten nicht wenige Vertreter der Pharmaunternehmen quasi schon seit Jahrzehnten mit aller Macht gegen Cannabis. Trotzdem lässt sich die zunehmende Verwendung nicht aufhalten und das ist wissenschaftlich mittlerweile ausreichend begründet.

Es gibt ganz unterschiedliche Krankheiten, die sich mit Cannabis als Medizin behandeln beziehungsweise in ihren Auswüchsen lindern lassen. :

  • Migräneartige Kopfschmerzen
  • Depressionen
  • Allergien mit Juckreiz und Überempfindlichkeiten
  • Darmerkrankungen wie beispielsweise Morbus Krohn
  • Grüner Star und andere Augenprobleme
  • Gelenksentzündungen, Arthritis und bestimmte Spastiken
  • Ein- und Durchschlafstörungen, Appetitsverlust
  • Immunerkrankungen wie AIDS
  • Krebs beziehungsweise die damit einhergehende Chemotherapie

Diese Liste sagt nicht, dass Cannabis als Medizin wie ein Wundermittel wirkt! Heilung bedarf hier in den meisten Fällen zusätzlicher Pharmazeutika, doch gerade deren oft heftige Nebenwirkungen sind mit Haschisch und Marihuana vorzüglich zu reduzieren. Immer bedarf es beim medizinischen Einsatz von Hanf einer umfassenden Beurteilung durch den Arzt, da zum Beispiel Asthma zwar Linderung erfahren soll, als typische Lungenkrankheit jedoch gerade beim Rauchen etwa von Haschisch natürlich auch einiges an Vorsicht bedarf.

Auf welchen Wegen ist medizinisches Cannabis erhältlich?

Im Moment stehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz drei Möglichkeiten für Cannabis in der Medizin zur Verfügung. Da gibt es zunächst das teure Medikament Dronabinol, eine ölige Substanz, die wohl vor allem dem betreffenden Pharmakonzern nutzt. Patienten halten das Präparat für wenig hilfreich, ja eingeschränkt wirksam, allerdings ist es vergleichsweise einfach über ein vom Arzt ausgestelltes Rezept zu haben. Dieses fällt jedoch unter das Betäubungsmittelgesetz und musste bisher privat bezahlt werden. Cannabisblüten für einen Kakao oder ganz klassisch zum Rauchen im Joint sind beim Bundesinstitut für Arzneimittel erhältlich, doch braucht es dafür einen langen, komplizierten Antrag und eine Ausnahmegenehmigung mit entsprechendem bürokratischem Aufwand. Und dann gibt es noch das Sprühpräparat Sativex, das ähnlich wie Dronabinol gegen ein privat zu zahlendes Rezept verfügbar ist. Manchmal zahlt hier sogar die Kasse, da Sativex offenbar gute Erfolge bei Patienten mit Multipler Sklerose zeigt.

Cannabis als Medizin – es scheitert oft an der Antragsstellung

Das bis dato wahrscheinlich größte Hindernis ist und bleibt die extrem komplizierte Antragsstellung für die Zuteilung. In der Regel sind die Patienten ja bereits krank, leiden also nicht unerheblich, und wenn sie dann noch den Arzt überzeugen müssen, endlose Formulare auszufüllen, ist das natürlich ein echtes Problem.

Cannabis als MedizinEmpfehlenswert für Interessierte ist deshalb immer auch die Kontaktaufnahme mit den Patientenvereinigungen. Da gibt es Hilfsangebote und sogar die Vermittlung an Ärzte, die Cannabis als Medizin verschreiben, ist auf diesem Wege machbar. Ein weiterer Ansprechpartner ist die Internationale Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoid – Medikamente, die auch Mediziner gern konsultieren. Hier sind gerade das Forum, die Checkliste für den Antrag und viele weitere nützliche Informationen zu finden. Leider sind manche Entscheidungen für oder gegen einen Antrag von Seiten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nicht wirklich nachvollziehbar, fast riecht das Ganze nach Willkür oder zumindest politischer Steuerung, worunter nicht wenige Patienten massiv zu leiden haben. Die neuen Gesetzesvorlagen für Cannabis als Medizin dürften diese Verfahren jedoch transparenter machen.

Bei einer Erkrankung Cannabis anbauen?

Wer nun weder Lust hat auf endlose Zuteilungsverfahren noch auf den immer noch kriminalisierten Gang zum Dealer auf der Straße, der denkt als Patient vielleicht über einen Hanfanbau nach. Schon seit rund 10 Jahren liegt eine Entscheidung des höchsten Verwaltungsgerichts in Deutschland vor, nach der eine Erlaubnis zum Anbau von Haschisch und Marihuana für Menschen mit schweren Erkrankungen nicht verweigert werden darf. Es liegen tausende Anträge vor, doch das BfArM ignoriert das beflissentlich, wohl auf Weisung aus der Politik. Schwerkranke haben keine besondere Lobby und nicht wenige sterben vor einer Bearbeitung ihres Antrags! Das ist zweifellos ein Skandal und es wird Zeit, dass sich hier Anwälte aus Justiz und Verwaltung, vor allem aber aus der Politik selbst um die Belange der Patienten kümmern.

Prinzipiell kann aber jeder Betroffene einen Antrag auf Cannabisanbau ausfüllen und einreichen. Es liegen durchaus günstige Gerichtsurteile vor, doch die Behörde setzt auf Verschleppung, geht in Berufung und arbeitet im Moment offenbar unter großem Druck einer Legalisierung entgegen. Wer also Hanf für medizinische Zwecke anbauen möchte, sollte sehr vorsichtig agieren, da im Zweifelsfall eben keinerlei mildernde Umstände dank einer verstaubten Politik zu erwarten sind!

Die Suche nach dem richtigen Mediziner

Wie schon beschrieben sollten sich Patienten an entsprechende Organisationen und Vereinigungen wenden. Es gibt einige Ärzte, die arbeiten ganz bewusst liberaler als ihre konservativen Kollegen und diese gegenüber Cannabis aufgeschlossenen Mediziner werden auf Anfrage durch Patientenvereinigungen vermittelt. Hier werden immer neue Verbindungen geknüpft, Patienten tauschen sich aus und langsam wächst eine ganz eigene Lobby für den Einsatz von Hanf in der Medizin heran. Es lohnt sich im Internet zu stöbern, bekannte Adressen sind beispielsweise Selbsthilfeorganisationen für Cannabis als Medizin, die dann auch jede Menge Infos zu den Anträgen auf Anbau oder eben auf ein Rezept bereithalten.

Kosten und Aufwand im Verhältnis

Cannabis in der Apotheke gegen ein Privatrezept einzuholen heißt einiges an Geld und Mühe investieren! Bis zu 20 Euro für ein Gramm Gras, das klingt geradezu lächerlich, wenn für die gleiche Summe auf der Straße beim Dealer oft bis zu 3 Gramm erhältlich sind. Zwar werden künftig auch die Krankenkassen mehr zahlen müssen, das sieht der jüngste Gesetzesentwurf vor, doch bis auf weiteres sind hohe Preise für ein wie es unter Growern heißt „billig herzustellendes Unkraut“ noch die Regel.

Antrag stellen und der Polizei ein Schnippchen schlagen? Ein Trick, den wir natürlich nicht Empfehlen, sondern nur erwähnen möchten, für alle die Cannabis als Medizin einsetzen wollen, ist der Antrag auf ein Rezept, auf eine Sondergenehmigung, die man dann einfach immer mit sich führt. Bei einer Kontrolle durch Beamte lässt sich für die Gesetzeshüter kaum nachweisen, woher das Marihuana stammt, wenn zugleich eine Erlaubnis vorgelegt wird. Auf diese Weise ist lediglich der Erwerb beim Dealer ein logistisches Problem, eine strafrechtliche Erfassung bei einer bloßen Personenkontrolle wird bei Vorliegen eines Rezeptes kaum noch durchgeführt.

Zudem ist es von Vorteil, dass immer mehr Richter gar nicht einsehen, Patienten für deren Suche nach Linderung ihres Leides zu verurteilen! Wer hier mit einer kleineren Menge ertappt wird, hat gute Chancen straffrei auszugehen. Das ist natürlich keine Empfehlung zum Kauf beim Dealer, aber mit sonderlich harten Strafen ist kaum mehr zu rechnen, außer vielleicht in besonders verbohrten Bundesländern wie Sachsen oder Bayern. Und wenn sich auch nur um eine Erlaubnis beim Bundesinstitut bemüht wurde, der Antrag also vorlag, jedoch abgelehnt wurde, gilt das vielen Gerichten schon als ausreichend, um den Betroffenen nicht weiter zu schikanieren.

Medizinisches Cannabis und der Führerschein

Viele Befürworter für eine Legalisierung von Hanf und dessen Extrakten wissen gar nicht, dass die politische Diskussion vor allem an der Unklarheit gegenüber dem Führen von Kfz krankt. Während beim Alkohol der Abbau von Promille relativ klar ist und nachvollziehbar, wird Cannabis eben von jedem Menschen anders abgebaut und es fällt äußerst schwer, hier eine für den Straßenverkehr einheitliche Regelung zu finden. Und selbstverständlich gilt das auch für Menschen, die am medizinischen Einsatz von Cannabis interessiert sind! Allerdings gilt mittlerweile der Grundsatz, nach dem von einer Verfolgung abgesehen wird wenn eine Verschreibung von Cannabis vorliegt.

Es erscheint ein wenig absurd, schließlich sind harte Opiate wie Morphium oder Oxycodon kein Problem bei einer Verschreibung und dem Führen eines Kfz! Die Rechtslage ist hier schlichtweg weiterhin unklar und die Gerichte urteilen mal pro, mal contra gegenüber den Patienten.

Risikogruppen

Fragen Sie den Arzt oder Apotheker beim Einsatz von Hanf als Medikament! Es gibt eine ganze Reihe von Personengruppen, die Cannabis eher meiden sollten und hier hat die Forschung noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten. Vor allem schwangere Frauen, aber auch junge Mütter, die gerade stillen, sollten Abstand halten. Zwar ist keinesfalls bewiesen, dass Haschisch und Marihuana die Frucht im Leibe beziehungsweise das neugeborene Baby gefährden, aber zusätzliche Risiken sind hier zu vermeiden. Das gilt genauso für Alkohol sowie für andere Medikamente.

Kinder und Jugendliche haben ebenfalls Abstand zu halten. Offenbar kann Hanf die Entwicklungszyklen rund um die Pubertät stören oder beeinflussen und auch wenn es dazu kaum Studien gibt, könnte sich durch Verschiebungen im Hormonhaushalt mancher negative Effekt ergeben. Wer ein Herzleiden hat, muss auch vorsichtig sein. Es ist bekannt, dass Cannabis die Herzschläge erhöht, den Blutdruck beeinflusst und das kann vor allem auch im Zusammenspiel mit Herzmedikamenten zum Problem werden. Freilich berichten manche Betroffene auch von positiven Erfahrungen, gerade bei der Erweiterung der Herzkrankgefäße.

Und nicht zuletzt ist der immense Effekt auf die Psyche nicht zu unterschätzen. Patienten mit einer ausgewiesenen Psychose können diese eventuell beim Konsum von Hanf verstärken, was jedoch gleichfalls nicht wirklich bewiesen ist und auffällig oft den Gegnern einer Legalisierung von Cannabis als Totschlagargument dient.

Mögliche Komplikationen beim Einsatz von Cannabis als Medizin

Grundsätzlich ist beim Konsum von Cannabis und einer medizinischen Indikation mit geringen Schwierigkeiten zu rechnen. Klar, der Blutdruck sinkt, das Herz schlägt schneller und mancher klagt über trockene Augen oder einen verminderten Speichelfluss. Selten wird von Brechreiz berichtet. Es ist aber denkbar, dass solche Einflüsse gerade beim Rauchen von Cannabis zusammen mit Tabak entstehen und Forscher berichten, dass gewöhnliche Zigaretten ohne Hanf inside ein viel größeres Problem darstellen. Ohnehin dürften kranke Menschen weder zur Bong noch zum Eimer greifen, sondern vor allem an einer Linderung ihrer Leiden interessiert sein und der mäßige Konsum scheint diesbezüglich nur sehr geringe negative Effekte zu haben.

Ein Tipp: Wer den Joint, das Papier und auch den Tabak scheut, der kann sich auch einen Vaporizer zulegen. Diese pfiffigen Geräte mit Batterie verdampfen die Cannabisblüten und das ist medizinisch weit unbedenklicher als die bekanntlich beim Verbrennungsprozess beteiligten Chemikalien.

Auf Autofahren und sonderlich anstrengende Tätigkeiten sollte beim Cannabiskonsum ohnehin verzichtet werden. Psychische Wirkungen jedenfalls lassen sich mit etwas Erfahrung gut steuern und dann ist der Rausch von Haschisch und Marihuana oft eine zusätzliche Hilfe für schwerkranke Patienten, die sich einfach nur nach etwas Entspannung sehnen.

Cannabis als Medizin:  Ein Überblick zu den Studien

Nun ist medizinisches Cannabis schon eine Weile als Arzneimittel auf Rezept in Deutschland zu haben, zumindest für Schwerkranke, so die Theorie der Politik, und es lohnt sich, mal einen Blick auf die aktuellen Studien zur Wirkung Haschisch und Marihuana zu werfen. Dabei geht es nicht um das typische THC High, den Rausch, den wir Kiffer so nett und angenehm finden, sondern vielmehr um konkrete Forschung, um wissenschaftliche Untersuchungen und um die Anwendung von Cannabis als Medizin in ganz unterschiedlichen Bereichen. Solche wissenschaftlichen Studien, empirisch belegt und über längere Zeiträume angelegt, gibt es mittlerweile eine ganze Menge und wenn Du über Cannabis als Medizin nachdenkst, dann lassen sich damit heute nicht wenige Krankheiten mildern oder sogar kurieren.

Medizinisches Cannabis – Cannabis als Medizin?

Zunächst müssen wir freilich eine kurze Einteilung vornehmen. Wenn der Medizinmann im indischen Dorf die Ganja Pfeife mit feinstem Gras gegen Kopfschmerzen verordnet, dann ist das natürlich kein medizinisches Cannabis! Trotzdem lässt sich sehr wohl von Cannabis als Medizin im weiteren Sinne reden und schon seit vielen Jahren rauchen die Menschen Haschisch und Marihuana bei einer Vielzahl von Beschwerden. Die deutsche Politik denkt zwar beharrlich und im besten Tunnelblick, dass THC und Blunt, Bong und Vaporizer allein zum Kiffen dienen und dass vor allem junge Erwachsene sich den verbotenen Joint heimlich auf dem Schulhof teilen. Das jedoch ist wie so oft weit vorbei an der Realität und ganz unabhängig von den Studien im Labor hat sich Cannabis schon länger als Heilmittel und hervorragend zur Entspannung bewährt.

Aber klar, Cannabis als Medizin, das ist prinzipiell die gezielte Verwendung der Hanf Pflanze als Arznei, erforscht in seinen Wirkstoffen und vorhersagbar in seinen Anwendungsgebieten. Vor allem THC, das ist das auch für Rausch verantwortliche Tetrahydrocannabinol, und CBD, das meint Cannabidiol, sind für den Einsatz interessant, es gibt aber noch eine Reihe andere Bestandteile, die gerade intensiv erforscht werden.

Dinosaurier auf Gras: Wie Du sicher weißt sind die Cannabinoid Rezeptoren in unserem Körper Millionen Jahre alt und offensichtlich das Ergebnis einer speziellen Evolution, die möglicherweise etwas mit dem Zusammenspiel von Genen und körperchemischen Prozessen zu tun hat. Experten gehen davon aus, dass auch der T-Rex und andere Urzeitmonster bereits Andockstellen für Cannabinoide hatten und so war vielleicht so mancher Saurier vor Jahrmillionen quasi bekifft, wenn an der Pflanze geknabbert wurde oder zumindest ähnlich berauscht wie Du heute. Dass die Echsen allerdings auch an Cannabis als Medizin dachten, ist eher unwahrscheinlich, dafür waren die Gehirne schlicht zu klein.

Hanf hilft: Eine lange Listen Leiden

Einige Anwendungen von Haschisch und Marihuana sind besser erforscht, einige Gebiete hingegen sind noch völliges Neuland und weitere Aspekte müssen darüber hinaus speziell untersucht werden. Aufgrund der sich vor allem in Amerika rasant entwickelnden Cannabis Industrie mit Produkten von Heilung über Rausch bis Beauty investieren immer mehr Firmen gezielt in die Untersuchung der Hanfpflanze und es ist erstaunlich, welche Bandbreite die Cannabinoide medizinisch abdecken. Heute finden sich bereits unzählige Studien und wir beziehen uns hier mal auf eine besonders breit angelegte Übersicht und Sammlung aus dem vergangenen Jahr, die wurde vom Gesundheitsministerium der Schweiz bezahlt und von einem Forscherteam in Bristol zusammengestellt. Darin sind viele der bekannten Untersuchungen seit Jahrzehnten aufgelistet und daraus ergibt sich ein recht übersichtliches Bild der aktuellen Situation.

http://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2338251

Schmerztherapie: Hierzu gibt es bereits gut 30 Untersuchungen, die Empirie ist also recht verlässlich, auch dank der insgesamt rund zweitausend Teilnehmer. Es kommt allerdings auch auf den Schmerz an, hier gibt es unterschiedliche Ursachen. Prinzipiell jedoch scheint Cannabis bei chronischen Schmerzen gut zu wirken und zu helfen, auch wenn die Forscher keine extrem ausgeprägte Signifikanz bestätigen! Es kann Dir also helfen, sehr wahrscheinlich sogar, aber es gibt keine Garantie.

Muskelschwäche / Multiple Sklerose / Spastiken: Rund 15 Studien mit ebenfalls gut zweitausend Leuten zeigen recht deutlich, dass gerade einer Spastik entgegengewirkt werden kann mit dem Einsatz von Cannabis als Medizin, freilich bestehen Unterschiede zwischen den Krankheitsbildern selbst.

Angstgefühle und Neurosen: Bisher finden sich in der Fachsammlung nur sehr wenige Studien und das macht die positiven Ergebnisse von Cannabis als Medizin in dieser Krankheitskategorie nicht sonderlich aufschlussreich. Offenbar unterstützt Hanf bei der Therapie und mildert Neurosen ab, aber das muss noch viel ausführlicher erforscht werden.

Schlafprobleme: Zwar gibt es auch hierzu nur wenige Untersuchungen und mit insgesamt etwas mehr als 50 Probanden ist die statistische Relevanz wahrscheinlich gering. Trotzdem zeigen die Ergebnisse eine Wirksamkeit von Cannabis bei Schlafproblemen und dass Kiffen müde macht, vor allem der Konsum von Indica Gras, ist nun schon lange eine Binsenweisheit.

Psychosen: Manchmal steht Marihuana sogar im Verdacht, Psychosen auszulösen und dieser Bezug ist noch lange nicht abschließend geklärt. Auf der Gegenseite jedoch stehen zwei Untersuchungen mit mehr als siebzig Leuten, bei denen wenig bis keine Verbesserung der psychotischen Beschwerden festgestellt wurde.

Appetitanregung und Übelkeit: Kiffer kennen das ja, den sogenannten Fress–Flash auf Gras, aber auch in der Medizin hat Cannabis eine appetitanregende Wirkung. Die Untersuchungen bezogen hier auch Patienten mit einer HIV Erkrankung ein, diese leiden bekanntlich oft an extremer Gewichtsabnahme und hierbei werden durchaus sichtbare Vorteile von Haschisch und Marihuana berichtet. Auch Erbrechen und Übelkeit wurden erfasst und in fast 30 Studien mit beinahe 2000 Leuten wird einstimmig von einer guten Wirksamkeit des Cannabis als Medizin berichtet.

Krebs: Bis dato finden sich keine Forschungen mit menschlichen Probanden. Das liegt vor allem an der komplizierten chemischen Wirkung der Cannabinoide, hier ist noch viel Arbeit vonnöten. Konsens hingegen ist jedoch die Auffassung, dass Cannabis als Medizin die Nebenwirkungen einer Krebserkrankung vor allem auch bei der Chemotherapie lindert, hier dürfen wir gespannt auf neue Erkenntnisse warten.

Augenkrankheiten: Das Glaukom beziehungsweise der Grüne Star sind Hinweise auf einen erhöhten Druck im Inneren des Auges und eine Studie zeigte auf, dass Hanf diesen Druck senkt und so vielleicht zur Linderung dieses Leids beiträgt. Jedoch fanden sich hierzu nur sechs Teilnehmer, die Ergebnisse sind also äußerst schmal und es bedarf weiterer Untersuchungen zum Thema.

Wo werden Haschisch und Marihuana untersucht – und wo nicht?

Zwischendurch sollten wir aber auch mal die Lage in Deutschland ansprechen. Die Bundesrepublik ist hinsichtlich der Erforschung von Cannabis als Medizin und dessen Bestandteile vom THC bis zur Blüte ein Niemand, eine absolute wissenschaftliche Null und das im Land der Tüftler und Erfinder! Die mangelnde Studienlage hierzulande haben kurzsichtige, ideologische Politiker zu verantworten, die es über Jahrzehnte versäumten, die offenbar sehr nützlichen und hilfreichen Wirkstoffe von Hanf untersuchen zu lassen. Nun machen Unternehmen aus anderen Ländern Kasse mit Saatgut und Patenten und schaffen Arbeitsplätze. Deutschland hingegen muss nun das Know-how, ja sogar das Cannabis selbst teuer einkaufen und wird von diesem globalen Megaboom wohl nichts haben. Geforscht wird heute vor allem in den USA, in Kanada und sogar in Israel, dort finden sich großartige Laboratorien und Feldforschung für wirklich aussagekräftige Ergebnisse.

Weitere Studien in Auswahl

Neben der großen Sammlung finden sich noch einige andere Untersuchungen zur medizinischen Wirksamkeit von Cannabis und dabei sind einige höchst interessante Aspekte herauszulesen, auch wenn sicher nicht jede Studie direkt an die Verwendung als alleiniges Arzneimittel gerichtet ist.

  1. Cannabis und Gleichgewicht

Eine Studie der Uni Düsseldorf wagte es, insgesamt 14 Teilnehmer nach ein paar Joints auf eine Tour mit dem Rad zu schicken. Dabei sollten Kegel umfahren werden, die Leute selbst waren erfahrene Kiffer mit entsprechender Toleranz. Ergebnis: Es gibt laut dieser freilich sehr kleinen, wenig repräsentativen Untersuchung, keine Unterschiede hinsichtlich des Gleichgewichts, ein Umstand, der gerade für die Bewertung von Cannabis und Führerscheinentzug nicht unwichtig ist. http://ze.tt/nuechtern-oder-bekifft-fahrradfahren-bleibt-immer-gleich-leicht/

  1. Cannabis und Jugendliche

Oft genug wird mit dem Jugendschutz argumentiert, wenn es um die vorgeblichen Gefahren von Hanf geht und auch wenn die Politik natürlich heuchelt, schließlich will niemand eine THC Legalisierung für Kinder und Jugendliche, lohnt sich der Blick auf die Wissenschaft. Kiffen wirklich mehr Jugendliche, wenn Haschisch einfacher zu haben ist? In Colorado, dem Kiffer freundlichen Bundesstaat in den USA, jedenfalls ist das nicht der Fall, dort sind die Zahlen Weed rauchender Schüler sogar rückläufig! http://www.reuters.com/article/us-colorado-marijuana-idUSKCN0Z702N

  1. Cannabis und die Tätigkeit des Gehirns

Weniger harmlos hingen sind Argumente, nach denen Hanf im jugendlichen Kopf negativen Einfluss hat auf die Beschaffenheit der Hirnrinde. Allerdings zeigt eine Studie aus dem Jahr 2015 keine direkten Erkenntnisse zu dieser These und offensichtlich braucht es verschiedene Faktoren wie die Veranlagung etwa zur Schizophrenie, damit aus einem Kiffer tatsächlich ein wahnsinniger Mr. Hyde wird. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4138809/

  1. Cannabis als Substitut für harte Drogen

Wie steht es um Marihuana als Ausstiegsdroge? Gutes Wortspiel, oder? Da scheint tatsächlich etwas dran zu stimmen, das jedenfalls zeigen Untersuchungen der University of British Columbia. Probanden und Abhängige zum Beispiel von Heroin schätzen laut Studie die psychische Stabilisierung durch Cannabis und augenscheinlich sind zudem Berichten zufolge die ziemlich ekligen Substitute wie Methadon besser zu ertragen. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/dar.12323/abstract

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