Cannabis in der SchmerztherapieDerzeit wird Cannabis intensiv diskutiert in der Schmerztherapie und während sich die Anti-Hanf Lobby mit Fake News in Stellung bringt, wollen wir mal konkret auf die Situation schauen: Sind Haschisch und Marihuana bei Schmerzen sinnvoll, welche Arten von Schmerzen lassen überhaupt feststellen und welche Hanfprodukte kommen für eine Therapie und Linderung überhaupt in Frage? Wenn über eine angebliche Wirkungslosigkeit berichtet wird, dann ist das vielleicht so ähnlich wie Sativa Gras rauchen zum Einschlafen und möglicherweise ist auch die Bekämpfung von Schmerzen von der richtigen Hanfsorte abhängig.

Schmerztypen im Überblick

Grundsätzlich müssen wir Schmerzen einteilen in nozizeptiv, neuropathisch und chronisch-zentral, wobei letzteres eher ein Sammelbegriff ist. Ein Beispiel ist hier etwa Fibromyalgie als Schmerz mit gleich mehreren betroffenen Körperregionen beziehungsweise als zentral empfundene Belastung. Logisch, dass dabei nun Medikamente und Behandlungsmuster zum Einsatz kommen müssen, die sich konkret an der jeweiligen Schmerzvariante ausrichten. Schmerz wird durch Gehirnzellen aktiviert und wahrgenommen und natürlich bestimmt das Hirn auch über die Heftigkeit der Schmerzwahrnehmung. So können Menschen unter Schock nach einem Unfall zwar heftig bluten und so weiter, fühlen den Schmerz jedoch noch nicht unmittelbar. Auch das Gegenteil ist möglich – Schmerzen zu empfinden, obwohl ein Reiz dafür vorliegt und solche Phantomschmerzen sind dann für die Betroffenen eine enorme Belastung.

In Israel ist Cannabis bei der Schmerztherapie völlig normal: Während in den USA geforscht und manchmal noch zögerlich auf Hanf als Alternative zur Schmerztablette gesetzt wird, ist man in Israel schon weiter. Die Ärzte der Juden verwenden Hanf selbstverständlich für Schmerzen und das schon seit vielen Jahren! Weit mehr als 60 Prozent aller Mediziner schätzt Cannabis als wirksames Mittel ohne besondere Nebenwirkungen und so ist es auch kaum verwunderlich, wenn sich die Ärzteschaft in Israel in überwältigender Mehrheit für eine noch viel häufigere Verwendung von Hanf bei Schmerzen positioniert. In Deutschland und in den USA kommt das Marihuana bei Schmerz erst nach der chemischen Keule, doch die Israelis plädieren dank guter Erfahrungen für eine frühere Verwendung, das könnte viele Therapien verbessern und abkürzen.

Cannabis und nozizeptiver Schmerz

Beginnen wir also mit dieser Kategorie. Dieser Schmerz folgt in der Regel einer konkreten Verletzung und wird auch mit akuten Entzündungen gleichgestellt. Wer sich körperlich weh tut, der spürt alsbald die scharfen Schmerzen und die gewissermaßen zerstörten Bereiche. Dort bilden sich Entzündungen und die Immunzellen beginnen mit der Reparatur, was in der Summe ordentlich schmerzen kann. Die Immunzellen produzieren Eiweiße und Chemikalien, die wiederum die Rezeptoren der Nerven ansprechen – Schmerz entsteht und wird entsprechend wahrgenommen.

Nozizeptiver Schmerz kann demnach durch eine Reduktion der Entzündung oder durch eine Blockade der damit einhergehenden Reize bekämpft werden. Und genau hier kommt Cannabis ins Spiel: THC und CBD als wirksame Cannabinoide sind bei Entzündungen schon länger im Einsatz, sie aktivieren beziehungsweise hemmen bestimmte Rezeptoren und das ist durch umfangreiche Studien auch am Menschen schon vielfach bestätigt. THC kann Schmerzen regulieren durch eine Aktivierung der CB1 Rezeptoren, CBD wirkt ähnlich und aktiviert Neurotransmitter. In der Summe lässt der Schmerz nach, doch beim Cannabis ist die Toleranz ein Problem: Mit der Zeit ist es dem THC immer schwieriger möglich, CB1 wirkungsvoll zu aktivieren, doch hier hilft das Zusammenspiel mit CBD, dessen Eigenschaften langwirkende Hanf-Medikamente bei nozizeptiven Schmerzen möglich machen. Zugleich sorgt das CBD für eine Beruhigung, reduziert Stress und Anspannung, was bei einer Therapie immer auch von Vorteil ist.

Cannabis und neuropathischer Schmerz

Dieser Schmerztyp nun hängt mit einer Schädigung des Nervensystems zusammen: Gut 10% der Menschen leiden darunter, sie haben oft schwere Verletzungen bis hinein in die Nervenbahnen, dazu kommen Krankheitsbilder wie Multiple Sklerose. Es gibt eine Menge Erkrankungen, die begünstigen neuropathischen Schmerz – von HIV über Diabetes bis hin zu Parkinson und der berüchtigten Gürtelrose! Auch eine Chemotherapie kann in diese Kategorie fallen, weil bei dieser Art Behandlung eben auch viele Zelltypen im Körper in Mitleidenschaft gezogen werden. Und auch bei diesem Typus Schmerz sind THC und CBD vor allem gemeinsam sehr aktiv und hilfreich, was übrigens die Gesamtlage auf diesem Gebiet massiv entschärfen könnte. Verständlicherweise sind neuropathische Schmerzen kompliziert zu behandeln, was viele Mediziner sehr aufgeschlossen macht gegenüber den Wirkungsspektren von Cannabis.

Der vorhin erwähnte nozizeptive Schmerz kann mittels entzündungssenkender Mittel bekämpft werden, Ibuprofen ist hier sehr bekannt. Beim neuropathischen Schmerz geht das nicht und hier ist Hanf eine vielversprechende Alternative – dank der Wirkung über das körpereigene Endocannabinoid-System lässt sich das Problem direkt angehen und gezielt, zumal hoch dosiertes CBD Serotonin-Rezeptoren aktiviert. Die geringen Nebenwirkungen machen eine Anwendung während der Chemotherapie bei Krebspatienten sinnvoll, was in der Praxis dann auch schon sehr häufig geschieht.

Cannabis und chronisch-zentrale Schmerzen

Wir müssen uns hier mit einem Hilfsbegriff bewegen, weil chronisch zentrale Schmerzen eher eine Umschreibung sind für Fehlfunktionen im Nervensystem. Manchmal ist ein Unfall dafür verantwortlich, doch oft klagen Patienten über Schmerzen, deren Ursache kaum abzuklären ist. Demnach ist eine Behandlung kompliziert. Die eingangs erwähnte Fibromyalgie ist dafür ein Beispiel, wobei dort die Schmerzsignale zum Gehirn gestört sind und bis dato haben die Forscher auch noch nicht wirklich den Grund dafür herausgefunden.

Die Vielseitigkeit dieses Schmerztypus führt dazu, dass es kaum Studien zu Cannabis und den Nervenschmerzen gibt. Die Fibromyalgie hingegen wurde mit Hanf untersucht und behandelt und siehe da – mehr als die Hälfte der Patienten berichtet über eine Linderung und konnte zum Teil sogar die übliche chemische Keule ganz weglassen! Eine Wirksamkeit von Cannabis ist demnach sehr wahrscheinlich und irgendwie auch logisch, führt das körpereigene Endocannabinoid-System doch wie das zentrale Nervensystem durch unseren gesamten Organismus.

Aus dieser aktuellen Studienlage folgt deshalb die Empfehlung für Schmerzpatienten:

  • Berichte über keine oder geringe Wirksamkeit von Cannabis bei Schmerzen könnten schlichtweg die Kombination von THC und CBD ignorieren,
  • Hanfsorten mit hohem THC-Anteil und sehr wenig CBD sind für die Schmerztherapie nicht geeignet, da die Potenz offenbar durch ein gutes Zusammenspiel erreicht wird und
  • CBD-Öl mit hohem Wirkstoffgehalt ist eine schon jetzt vertretbare Option und Alternative zur Linderung von Schmerzen, zudem frei verkäuflich und nicht psychoaktiv.