Kanadas Cannabistourismus

Sind Kiffer-Reisen für Kanada eine Option beim Tourismus? Wie stehts um Gesetze beim Cannabis für alle, die ein paar Tage anreisen und sich entspannen wollen? (Bild von SofieLayla Thal auf Pixabay)

Die Legalisierung von Cannabis bedeutet nicht nur die erwachsenen Bürger eines Landes mehr Freiheit bei Medizin und Genussmitteln, sondern bietet auch Touristen die Chance auf unkomplizierten Konsum von Haschisch und Marihuana. Kanada hat nun als erstes wirklich großes Industrieland der Welt den Hanf erlaubt seit vorigem Jahr und wir wollen uns dazu heute mal die sich entwickelnde Tourismusindustrie rund um Joint und Vaporizer anschauen. Wo liegen die Chancen beim Cannabis für alle und welche Trends können mit Kiffer-Reisen für Jobs sorgen, Steuereinnahmen generieren und eine Destination wie eben Kanada noch zusätzlich aufwerten?

Zwischen Tourismusverband und Cannabis-Community

Muss man erstmal trennen zum Einstieg, da ganz offiziell zum Beispiel Weintouren vorgestellt werden von den kanadischen Tourismusbehörden – während Hanf bis dato noch gar nicht vorkommt bei solchen Angeboten für Besucher! Die Cannabis Community und Wirtschaft hingegen ist richtigerweise der Ansicht, dass es zwischen dem Önologen, also dem Fachmann für Wein und Anbau der Reben, gar keinen Unterschied mehr gibt zum Cannabiswirt, sozusagen ein ausgewiesener Kenner von Hanfsorten und deren Wirksamkeit.

So gibt es in Kanada schon mal eine Cannabis-Kreuzfahrt auf den Großen Seen, doch die Kiffer und Hanfpatienten müssen bei dieser Cruise noch ihr Gras selbst mitbringen, da der Verkauf bei solchen Events vorerst nicht gestattet ist. Logischerweise ist das ein Kritikpunkt für Geschäftsleute mit Ideen, die wünschen sich eine schleunige Entzerrung von vielen Vorgaben, die schlichtweg sinnlos sind, das Gewerbe aber massiv behindern. Marketing für den Hanf etwa ist viel komplizierter als bei Schnaps und Zigaretten – so kann Ontario als Bundesstaat problemlos sich als Destination für Weintrinker bewerben, während Cannabishotels es noch ziemlich schwer haben.

Ein kultureller Wandel braucht beim Hanf Zeit

Offenbar, denn in diesen Tagen haben große Tourismusverbände, Hotelketten und einfallsreiche Gastwirte mit Gras in der Summe noch mit folgenden Hindernissen zu kämpfen:

  • internationale Promotion für Cannabis ist äußerst kompliziert, was wohl eine Art Rücksichtnahme der kanadischen Behörden auf ausländische Besucher respektive deren Regierungen ausdrücken soll,
  • die oft noch negativ besetzten Einstellungen vieler Touristen gegenüber Hanf, was dank eines beinahe ganzen Jahrhunderts der Verblödung wohl noch eine Weile dauern kann,
  • allzu strikte Gesetze für das Veranstaltungs- und Gastronomiebusiness bei Cannabis und
  • moralischen Bedenken gegenüber Gastlichkeiten, die das kiffen nicht nur erlauben, sondern als Teil der Geschäftspolitik betrachten wollen.

Kanada ist ein großes Land und nicht jeder Indianer raucht Marihuana. Die Akzeptanz gegenüber dem Hanf kann je nach Region unterschiedlich groß ausfallen und die rund um Weinbau lokale Wirtschaft hat natürlich auch kein sonderliches Interesse an einem erfolgreich konkurrierenden Genussmittel für Touristen. Offizielle Stellen jedenfalls verweisen auf eine Etablierung der noch frischen und jungen Cannabiswirtschaft, bevor hier ernsthaft an eine gezielte Verbindung von staatlich gefördertem Tourismus und Hanf gedacht werden kann.

Erste Angebote für Kiffer-Reisen nach Kanada gehen an den Start

Holprig ist das vielleicht noch am Anfang, klar, aber es gibt zugleich im Land des Ahornblattes äußerst fetzige Offerten für Kiffer und alle, die Cannabis auch im Urlaub nicht missen wollen. Die Firma Bud and Breakfast aus den USA betreibt in Kanada sehr gefällige Lodges und bisher gibt’s schon mehr als 20 solcher Etablissements zwischen Halifax und Vancouver. Haschisch und Marihuana können dort sowohl konsumiert wie auch in geringen Mengen erworben werden von den Hotelgästen – meistens findet sich der Bungalow dann einem schönen See mit weitem Blick, optimal also für einen gemütlichen Joint mit entspannendem Indica-Gras.

Graswirte, Budtender und Cannabis Connoisseur – sie alle müssen sich an Regeln halten, die bisher noch bestehen wie zum Beispiel:

  • kein Cannabis so zu bewerben, dass damit ein spezieller Lifestyle, basierend auf Hanf als Genussmittel, zum Ausdruck kommt,
  • keine Cannabiswerbung in Presse und TV, das auch im Ausland empfangen werden kann,
  • Promotionen rund um Sponsoring von Veranstaltungen und
  • Promotionen, die speziell zum Kiffen auffordern oder dies mit Verweis auf irgendwelche angeblichen Referenzen wie etwa den dampfenden Popstar versuchen.

Die Strafen gerade auch bei einem an Jugendliche gerichteten Marketing sind sehr hoch – bis zu 5 Millionen Dollar werden dann verhängt und die Verantwortlichen könnten auch für mehrere Jahre in den Knast wandern. Zweifellos sind aber auch einige Regeln zu streng und behindern die sich aufbauende Cannabiswirtschaft beim Tourismus unverhältnismäßig. Die Menschen wissen schließlich in den meisten Fällen mittlerweile, dass in Kanada Hanf legal ist und viele reisen gerade deshalb an. Hier so zu tun, als fände das nicht statt, ist ein bisschen politisches Abseits, aus dem leider auch im Land des Ahornblatts noch einige Politiker spielen.

Aber Veränderungen sind schon sichtbar und wenn wir heute nach Schottland fahren und explizit eine Whisky-Destillerie besuchen, dann ist das schon jetzt in Kanada mit dem Gang über die Cannabis-Farm vergleichbar – weitere Angebote sind im Ausbau, egal ob wir nun als gewöhnlicher Kiffer die stärksten Sorten probieren oder als Hanfpatient eine erholsame Kur in pittoresker Landschaft genießen wollen.