Studie THC Fahrtüchtigkeit

Eine weitere Studie zu Cannabis und Autofahren zeigt erneut wie wenig aussagekräftig THC Werte sind in puncto Fahrtüchtigkeit im Straßenverkehr (Bild von gweno333 auf Pixabay).

Können Kiffer Auto fahren? Diese Frage wird in Deutschland bekanntlich seit vielen Jahren durchweg negativ beantwortet. Behörden gängeln Leute massiv, nehmen den Führerschein weg wenn bei einer der mittlerweile zahllosen, gezielt engmaschigen Verkehrskontrollen auch nur eine winzige Menge Cannabis durch einen Drogentest entdeckt wird. Erstaunlicherweise steht dieses Handeln mittlerweile eklatant im Widerspruch zu internationaler Forschung und eine neue Studie zur Fahrtüchtigkeit und zum THC zeigt erneut, wie weit die Bundesrepublik von den Standards moderner Analysen entfernt ist. Auf Hanf hinweisende Biomarker sind nach Ansicht der Wissenschaftler von der Universität Sydney völlig inkonsistent! Im Gegensatz zum Alkohol nämlich lässt sich eine Konzentration der Cannabinoide im Blut nicht ohne weiteres mit Verkehrsuntüchtigkeit gleichsetzen und wir fordern von der Drogenpolitik hierzulande im Zuge der Cannabis Legalisierung auch eine Anpassung der Vorschriften für die Straßenverkehrsordnung.

Fahrleistung durch THC im Blut und Speichel nicht pauschal reduziert

Gleich zu Beginn der neuen Untersuchung aus Australien, wo es bis dato noch keine Weed Freigabe gibt, die Forscher also frei sind von möglichen Bezichtigungen als Gras Befürworter, wird auf die Auswirkungen der Studie auf das internationale Recht im Straßenverkehr verwiesen.

Im Blut befindlicher, nachweisbarer Alkohol, so die Wissenschaft, habe sehr wohl einen direkten Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit – Cannabis jedoch nicht unbedingt. Eine gegenteilige Regelung bewegt sich nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Forschung und sollte angespasst werden.

Selbst eine höhere THC Konzentration ließ sich bei unterschiedlichen Tests und nach Auswertung umfangreicher Daten fast überhaupt nicht mit Schlangenlinien und Co in Verbindung bringen. Dabei haben gelegentliche Kiffer ein schwach höheres Risiko im Straßenverkehr, während regelmäßige Hanfkonsumenten überhaupt keine Beeinträchtigung zeigen!

Wenn also zum Vergleich deutsche Polizisten und Richter sofort urteilen, den Lappen wegnehmen und eine Biographie mit Verweis auf Cannabis zerstören ist das wissenschaftlich betrachtet absurd und Ausdruck totaler Willkür.

Auch die Konsummethoden beim Cannabis spielen keine Rolle für die Fahrtüchtigkeit

Insgesamt 28 Analysen wurden gesichtet und die User hatten Gras geraucht, Haschkekse gegessen oder sich mit spezieller Hanfkosmetik verwöhnt. Keine dieser Konsumformen führte zu einer verminderten Reaktionszeit beim Auto fahren und die Aufmerksamkeit war keinesfalls so beeinträchtigt, wie das Behörden hierzulande gerne behaupten.

Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass jeder so viel kiffen kann und sollte wie gewünscht vor der Autofahrt! Die Nachweisbarkeit der Cannabinoide ist aber kein zuverlässiger Indikator für irgendeine Bestrafung und Annahme, die Leute würden gleich an der nächsten Ecke einen Unfall bauen. 

Ein echter Skandal sei es daher, so beteiligte Forscher in Sdyney, wenn weiterhin Menschen bestraft würden, die Behörden gerne als berauscht betrachtet wollen – faktisch haben THC Grenzwerte an dieser Stelle überhaupt keinen Sinn. Eher nachvollziehbar sei die subjektive Wahrnehmung, die bei Cannabis nicht so verzerrt ist wie beim Trinken von Alkohol und offenbar handelt es sich bei den aktuellen Regeln etwa in Deutschland um ideologische Versuche, das Kiffen gesellschaftlich mit allen Mitteln zu diskreditieren.

Worauf sollten Hanfkonsumenten beim Thema Auto fahren achten?

Natürlich ist es nicht empfehlenswert sich direkt nach dem Genuss vom Joint ans Steuer zu setzen. Die Wissenschaft schlägt hier einen Abstand von wenigstens drei Stunden vor, je nach Dosis und Konsummethode. Denkbar ist dazu die Entwicklung bestimmter Apps, die zumindest abhängig von Alter, Geschlecht und Körpergewicht Anhaltspunkte liefern könnten in Zukunft.

Politiker und Menschen ohne Kenntnis zu Cannabis vergleichen wahrscheinlich den schlingernden Besoffenen im Auto mit Kiffern und nehmen an, dass alle Rauschmittel die gleichen Effekte haben – nach Ansicht der neuen Studie ist das ein Irrglaube, der viel Ungerechtigkeit mit sich bringt.

Eine Gesetzesreform wird für Australien gefordert. Es brauche dazu bessere Testmethoden, die in puncto Konzentration und Auswirkung der Cannabinoide im Körper Auskunft geben und keine willkürlichen THC Grenzwerte mehr, die fachlich und sachlich ohne jede Berechtigung angewandt sind. Gerade in Zeiten einer weltweit zunehmenden Gras Legalisierung sollten sich Behörden hier mehr mit der Forschung austauschen, aber ob das in Deutschland möglich ist?