Große Koalition ohne Cannabis-PolitikFalls Kiffer sich das Abschlusspapier zu den Sondierungsgesprächen von CDU/CSU und SPD und einer möglichen Großen Koalition mal genauer anschauen, dann wird deutlich: Cannabis steht nicht mal drin! Offenbar haben Merkel und Schulz überhaupt keinen Ansatz zur künftigen Drogenpolitik und bei allem Geschwafel, das sich sonst noch findet über Europa, Flüchtlinge und neue Sozialleistungen dürften Hanffreunde von diesem Abschlusspapier wenig erwarten. Wird Cannabis in Deutschland in den nächsten Jahren aber vielleicht trotzdem legal und was können Kiffer tun, um den Prozess vielleicht ein wenig anzuschieben?

Zwei Aspekte sind für eine Freigabe durch die Große Koalition entscheidend: Angela Merkel und Cannabis auf Rezept. So ist in den Talkshows und Zeitungen, in den Fake News wie auch in den besser recherchierten Medien wird stets ausgemalt und da ist schon etwas dran, wie sich die Bundeskanzlerin bei den großen auch gesellschaftlichen Entscheidungen ihrer Amtszeit – Atomausstieg, Wehrpflicht, Bankenrettung und Grenzöffnungen für Flüchtlingen – eben in keinem Koalitionspapier im Vorfeld dazu positioniert hat!

Merkel wartet ab und bei der Legalisierung von Cannabis sind Überraschungen durchaus denkbar – wenn die Kiffer und vor allem Hanfpatienten mitspielen.

Die großen Krankenkassen berichten dieser Tage über Anträge auf Hanf als Medizin in Deutschland im fünfstelligen Bereich und das in gerade einmal 10 Monaten in 2017 – während Gesundheitsminister Gröhe und Merkel als Verantwortliche für die (angeblich äußerst erfolgreiche) neue Cannabispolitik von 700 Rezept-Anträgen pro Jahr ausgegangen sind! Kann sich Versagen und Unkenntnis der realen Verhältnisse im Land noch deutlicher äußern?

Es ist also durchaus vielversprechend, wenn noch viel mehr Menschen ihr nun juristisch verbrieftes Rech auf Medizinalhanf als neues, alternativen Heilmittel, als Medizin für eine Vielzahl an Leiden und Therapien beim Arzt beantragen. Nicht nur theoretisch, sondern praktisch wird ja offensichtlich jede Menge Hanf verschrieben und das wird sich in 2018 noch weiter steigen, zumal Kiffer gleichfalls nach einem Rezept fragen können – Schlaflosigkeit, Schmerzen, Übelkeit, Essstörungen oder auch Angststörungen lassen sich mit Cannabis nachweislich gut behandeln. Diese gesundheitlichen Probleme sind nun mal nicht so selten in Deutschland und ein guter Mediziner wird bei einem Hinweis, dass Haschisch und Marihuana schon im Vorfeld geholfen haben, heute wohl kaum noch das Rezept für den Hanf verweigern. Auch geht es bei den erwähnten 13.000 Anträgen bei den Krankenkassen um die Übernahme des Cannabis-Rezepts – aber es gibt ja auch grüne Rezepte zur Verschreibung, die der Patient selbst bezahlen muss. Bisher gibt es dazu noch keine Daten, aber es ist gut vorstellbar, dass viele Selbstständige und Freiberufler sich den Medizinalhanf auf Privatrezept verschreiben lassen.

Das ist eine de facto Legalisierung von Cannabis auf Rezept, wenn auch als Medizin und nach Verschreibung durch den Arzt. Auf diesem Weg ist die vollständige Freigabe in den USA und Kanada von Cannabis dann als Genussmittel ebenfalls vorangekommen und als Kiffer und Patienten solltet Ihr die neuen Möglichkeiten mit Interesse verfolgen – kein Wort im Koalitionspapier über Hanf heißt nicht, dass in Deutschland Haschisch und Marihuana nicht legal zu haben sind!