Cannabis und FahrtüchtigkeitIm Zuge der Liberalisierung von Cannabis als Medizin und auch als legale Rauschdroge führt die damit einhergehende juristische Debatte unweigerlich zu verschiedenen Problemstellungen. Dabei steht an erster Stelle die Frage nach der Fahrtüchtigkeit nach dem Konsum von Haschisch und Marihuana und hierzu wird dann auch ein Bezug zum Alkohol und dessen Abbau im Blut hergestellt. Allerdings lassen sich beide Substanzen nur bedingt vergleichen, es gibt zwar Überschneidungen, aber auch eine Menge Unterschiede und wir wollen Dir mal zeigen, wie hier der Stand der Dinge ist.

Gibt es einen THC Test?

Bis dato sind die erhältlichen Cannabis Test nicht sonderlich brauchbar, was aber vor allem an der spezifischen Chemie der Hanfwirkstoffe liegt. Es ist gut möglich, dass Du über mehrere Wochen keinen Joint rauchst und Dir die eifrige Polizei trotzdem THC im Blut nachweist, was die recht lange Abbauzeit im Körper reflektiert. Normalerweise achten die Ordnungshüter schon prinzipiell auf deine Fahrweise und bei einer Verkehrskontrolle auf möglichen Cannabis Geruch im Auto. Auch die berühmten roten Kiffer Augen sind für Cops ein Hinweis und dann wird im Zweifelsfall auch Blut abgenommen, wozu es mittlerweile nicht mehr unbedingt auch eine richterliche Anordnung braucht.

Unbrauchbar: Im Gegensatz zum Alkohol gibt es keine THC Atemtests und auch die üblichen Verfahren etwa beim Umkreisen von Kegeln oder das Balancieren werden Dir wenig Aufschluss über den Hanf in deinem Blut geben. Es fällt übrigens ohnehin kaum ein Kiffer einfach so um wie das bei Besoffenen der Fall ist und deshalb greift die Polizei im Zweifel zum Bluttest, was teuer und eben auch strafrechtlich gefährlich werden kann.

Wie könnte die Fahrtüchtigkeit bei Cannabis bestimmt werden?

Bekanntlich gibt es beim Alkohol die mittlere Abbauquote von 0,1 Promille pro Stunde, was natürlich durch Faktoren wie Gewicht, Gewöhnung oder auch Art und Weise des Gebräus beeinflusst wird. Deshalb ist es leicht, hier beim Thema Fahren und Führerschein eine Promillegrenze einzuführen und diese dann als Richtschnur für mögliche Vergehen und für das Bewerten von Straftaten dienen kann. Beim Cannabis hingegen ist das viel komplizierter und es gibt überhaupt erst nur eine Debatte, wie sich Fahren auf Gras und Dope überhaupt gestalten kann. Es gibt sogar Studien, die schreiben dem Hanf eine Verbesserung (!) der Fahrfähigkeiten zu, was genauso kritisch berücksichtigt werden sollte wie auf der anderen Seite die immer wieder betonten Risiken.

THC, das ist bekannt, wird eben nicht schnell und vollständig abgebaut wie der Alkohol und dabei sind vor allem folgende Faktoren wichtig:

• Wie wurde das Cannabis konsumiert?
• Wieviel Zeit ist seit dem Konsum vergangen?
• Handelt es sich um einen Hardcore Kiffer oder um einen gelegentlichen Dope Raucher?
• Wie hoch ist das THC im jeweiligen Haschisch und Marihuana konzentriert?

Diese Mischung ist ziemlich undurchsichtig in der Zusammensetzung und das führt zu Restbeständen im Körper, wie beschrieben oft Wochen nach dem letzten Cannabis Konsum. Bisher gibt es schlicht keine wirklich immer verlässlichen Methoden, um den Abbau exakt zu dokumentieren und möglicherweise hängt dies mit den Cannabinoiden und deren Andockstellen im Körper zusammen. Alkohol wird als Zellgift und Fremdkörper schnellstmöglich ausgeschieden, doch Hanf scheint der Organismus anders zu behandeln und hier ist noch eine Menge Forschung nötig. Juristen und Fachleute halten eine umfassende Legalisierung von Cannabis für denkbar, wenn diese Frage gelöst würde und angesichts der beeindruckenden Fortschritte in der Hanf Wissenschaft wird es einen THC Test, individuell und zuverlässig, vielleicht in einiger Zeit tatsächlich geben.

Wie steht es um den Mischkonsum vom Alkohol und Cannabis?

Auch diese Frage ist nicht unerheblich für das Zusammenspiel dieser Substanzen, zumal Du mit Sicherheit auch gerne mal ein Bier trinkst zum Joint, oder? Jüngst wurde dazu eine neue Studie veröffentlicht, aus Amerika natürlich, und dabei zeigen sich interessante Aspekte. So steigt beispielsweise die THC Konzentration im Blut an, wenn gleichzeitig Alkohol konsumiert wird und auch wenn an der Untersuchung nicht einmal 20 Probanden teilnahmen, von denen einige zudem mit Placebos versorgt worden, so ist die Studie durchaus aufschlussreich.

So müsste eine gesetzliche Grundlage zu Cannabis und Führerschein eben auch auf diesen Mischkonsum Rücksicht nehmen, was die Frage nach der Fahrtüchtigkeit offenbar noch komplizierter macht. Wir freilich sind auch ohne Empirie und Laborergebnisse der Meinung: Bis zur Klärung der Sachverhalte, bis zur tatsächlichen Bestimmung von Cannabis Grenzwerten im Blut, solltest Du nach dem Joint und auch dem Bier dazu das Auto auf jeden Fall stehen lassen, alles andere bringt Dich im Zweifelsfall nur in Probleme und im schlimmsten Fall auch in Gefahr.