Coffeeshops in der SchweizDie Schweizer sind ja beim Thema Cannabis schon länger weit realistischer und fairer aufgestellt als beispielsweise die deutsche Politik und so passt es ganz gut, wenn derzeit weitere Schritte hin zu einer vollständigen Freigabe beim Hanf diskutiert werden. Die kleinere Kammer im Parlament hat nun einer Vorlage zugestimmt, nach der ab sofort in der Schweiz Modellprojekte rund um Haschisch und Marihuana erlaubt werden können. Ganz konkret sollen ähnliche Versuche wie in Holland gestartet werden und vielleicht könnt ihr schon bald in den Coffeeshops von Zürich und Bern bei einem Joint den Blick auf die Alpen genießen.

Tolerante Drogenpolitik zum Wohl des Bürgers

Volksabstimmungen sind bei den Eidgenossen normal, bei uns wird eine Beteiligung des Volkes an der Politik sehr kritisch gesehen und die auch beim Cannabis verantwortlichen Figuren wie Jens Spahn verstecken sich hinter dem Klientelsystem der Mandatslisten, ausgewählt von Parteien, am Volk vorbei regierend. In der Schweiz hingegen gibt es öfters Befragungen und dabei wird schon mal der Bau von Minaretten abgelehnt! Der Gesundheitsminister hat deshalb auch zugegeben, dass erst eine zarte Änderung der betreffenden Paragraphen die nun geplanten Modellversuche möglich gemacht hat, es gäbe jetzt mehr Raum für „Experimente“. Ob das deutsche Pendant Jens Spahn zu solchen Einsichten fähig ist?

Faktische Entkriminalisierung von Cannabis

Erst kürzlich hatte sich die Stadt Bern um solche Projekte bemüht, dabei jedoch vor Gericht verloren. Bis zu 1000 Leute sollen teilnehmen und legal kiffen, wobei diese Personen sich bewerben können, wenn sie ohnehin schon mit Cannabis zu tun haben. Angeboten werden soll das Gras dann in Schweizer Apotheken, ein Vorschlag, der durchaus als Vorlage für die Legalisierung im gesamten Land dienen kann. Darüber hinaus wird dich ein Joint bei den Eidgenossen nicht in den Knast bringen! Im Alpenstaat sind die Cops relativ liberal, wenn es um kleinere Mengen geht, da werden vor allem Ordnungsstrafen verhängt und in den Parks etwa von Zürich wird dir überall Haschisch und Marihuana angeboten.

Wer weniger als 10 Gramm Gras dabeihat wird nicht behelligt, das sind Schätzungen zufolge gut 300.000 Schweizer! Selten musst du eine Strafe bezahlen, das sind meistens 100 Franken, aber in den meisten Kantons kontrollieren die Cops kaum noch auf Haschisch und Marihuana. Es gibt allerdings gerade für Autofahrer Drogentests, die können zwischen THC und dem in der Schweiz legalen Cannabidiol (CBD) unterscheiden.

CBD-Zigaretten „Heimat“: Für ziemlichen Wirbel sorgten letztes Jahr auch die originell verpackten und mit dem nicht psychoaktiven Hanf-Bestandteil CBD ausgestatteten Zigaretten mit dem klingenden Namen „Heimat.“ Obwohl eben nicht berauschend und deshalb gerade für Hanfpatienten eine gute Gelegenheit, wird in Deutschland und Österreich vor den Kippen gewarnt, die Polizei sucht fleißig die Grenzen zur Schweiz nach diesen Zigarettenschachteln ab. Lächerlich zwar, aber bezeichnend, schließlich kannst du diese Fluppe in der Schweiz problemlos an jeder Ecke kaufen.

Ein altes Problem mit den Vereinten Nationen

Die Schweiz ist kein Mitglied der EU, kann also über die Drogenpolitik im Lande selbst bestimmen. Zwar kommt auch aus Brüssel nichts zum Thema Cannabis, aber bei den Eidgenossen wird schon seit den 90er Jahren angebaut und auch verkauft, was damals dank einer Lücke im Gesetz möglich war. Die Rede von der „Aromatherapie“ ist berühmt und wird für viele Schweizer Cannabis-Produkte weiterhin verwendet. Es gab bereits Coffeeshops und „Hanflädelis“, doch dann begann massiver Druck von Seiten der UNO, wo bekanntlich weiterhin der Krieg gegen die Drogen (War on Drugs) ausgefochten wird. So gilt noch weiterhin die Vereinbarung von 1961, nach dem sich die teilnehmenden Staaten bei den Vereinten Nationen an einer Verbotspolitik beim Cannabis orientieren sollen. Wir dürfen gespannt schauen, ob sich die Schweiz neben Uruguay und bald auch Kanada selbstbewusst frei machen wird von diesen aus Pharmainteressen und Gängelei zusammengesetzten UNO-Regularien.