medizinisches CannabisLange hatte es gedauert, bis sich die Regierenden in Deutschland endlich auch zu einer gesetzlichen Verbesserung in puncto Cannabis durchringen konnte und doch sollte nach dem jüngst beschlossenen Gesetz niemand denken, für Kiffer wäre nun alles eitel Sonnenschein. Ja, es gibt einige wirklich bemerkenswerte Veränderungen, von der Verantwortlichkeit der Ärzte über das Rezept bis hin zu einer merklich auszuweitenden Übernahme der Kosten durch die Kasse, unbestritten. Doch wer genau hinschaut, erkennt auch eine Rasenmähermethode für alle bisherigen Ausnahmegenehmigungen und es ist denkbar, dass die neue Verordnung am Ende vielleicht sogar Nachteile für die Diskussion rund um Haschisch und Marihuana mit sich bringt.

Ausnahmen und der Hanf Eigenanbau

Innerhalb der nächsten drei Monate verlieren zum Beispiel alle Ausnahmen ihre Berechtigung. Betroffene müssen sich schleunigst ein Rezept besorgen und es ist nicht unbedingt garantiert, dass jeder Mediziner dem Cannabis gleich offen eingestellt ist! Wer da an einen Arzt gerät, der ideologisch unterwegs ist oder ein ausgewiesener Apologet der Schulmedizin, der wird am Ende einen Haufen Rennerei haben und muss vielleicht quer durch Deutschland fahren.

Noch perfider wird es zudem bei der Frage nach dem Eigenanbau von Cannabis. Ganz nebenbei kassiert der Bundesgesundheitsminister nämlich auch hier alle Ausnahmen und Kiffer beziehungsweise Patienten sind von nun an gezwungen, superteures Marihuana in der Apotheke zu beziehen, wenn auch ziemlich wahrscheinlich auf Kassenkosten. Zwar könnte es der Staat weit billiger haben, aber nein, lieber wird gierigen Konzernen eine Unmenge an Geld in den Schlund geworfen, nur damit angeblich die Qualität beim ausgegebenen Hanf gesichert ist.

Hinweis: Prinzipiell lässt sich das totale Verbot des Eigenanbaus wohl kaum durchsetzen. Wer nämlich das Gras nicht bezahlt bekommt und stattdessen anbaut, der kann im Fall von rechtlichen Schwierigkeiten einfach auf rechtfertigenden Notstand verweisen. Kaum vorstellbar, dass Gerichte in einer solchen Lage dann noch sonderlich hohe Strafen verhängen!

Kiffen in der Öffentlichkeit: Rechtliche Besonderheiten

Anders als in den USA oder auch in Holland dürfen Cannabis Patienten in Deutschland das Gras auch konsumieren, gleich wann und wo, allerdings sind die üblichen Nichtraucherzonen davon natürlich ausgenommen. Wenn sich dann ein eifriger Polizist bemüht, sollte das Vorzeigen des Rezepts ausreichen, wahrscheinlich kommt aber noch ein gesonderter Ausweis für solche Situationen.

Schwierig ist darüber hinaus die Bewertung bei der Frage Cannabiskonsum und Führerschein. Erst neulich weigerte sich ein Freiburger Gericht, die Fahrerlaubnis nach positivem Test auf THC einfach so einzuziehen und überhaupt ist das Aufstellen einer Art Toleranzgrenze wie beim Alkohol die wichtigste Aufgabe für Juristen. Die Willkür der Polizei und vieler Staatsanwälte muss ein Ende haben und Experten befürworten hier eine Art Stellungnahme des Arztes. Dieser kann festlegen, wie lange nach der Einnahme von Cannabis kein Auto zu fahren ist und das gilt dann auch rechtlich bei eventuellen Verstößen gegen die Verkehrsordnung.