Cannabis in TschechienWer in Sachsen wohnt, der wird ständig in den Medien und Ansagen der Politik mit den Hinweisen konfrontiert, dass unsere tschechischen Nachbarn neben Crystal Meth und Böhmischen Knödeln vor allem auch Cannabis ins Land bringen. Und sicher ist da auch etwas dran, bauen die Tschechen doch schon seit Jahren kräftig Hanf an, in Kellern und auf Dachböden, was heute als Indoor-Growing dank LED-Lampe und Hanfsamen aus dem Internet kein Problem mehr ist. Aber wie steht es eigentlich um die Situation im Lande? Vor einigen Wochen haben wir über Albanien als Europas größten Cannabis-Produzenten berichtet, während der Konsum im vielleicht ärmsten Land des Kontinent kaum nennenswert ausfällt. Ist das in Tschechien ähnlich und exportieren die Landsleute von Karel Gott Marihuana lediglich nach Deutschland wie das der nahe Osten und Afrika mit den Flüchtlingen machen?

Von Bierbrauern und Crystal-Meth

Im europäischen Vergleich sind die Tschechen Meister im Biertrinken und das Brauen hat eine lange Tradition. Zugleich ist aber auch bekannt, dass von Sachsen bis Bayern die angrenzenden deutschen Bundesländer seit Jahren schon von jeder Menge Crystal Meth heimgesucht werden, das kommt aus den tschechischen Küchen und ist oft von atemberaubender Qualität. Logisch, dass hier viele Leute abhängig werden und so gibt es nicht selten gemeinsame Polizeieinsätze beider Länder und beiderseits der Grenzen. Cannabis hingegen ist als Verkaufsschlager erst hinzugekommen und offenbar sind die zahlreichen Vietnamesen-Märkte in Grenznähe dafür ein optimaler Umschlagplatz.

Statistiken zwischen Prag und Pilsen

Außerdem besteht eine äußerst liberale Drogenpolitik im Lande, die es den Tschechen einfach macht, wenn es um Konsum und auch ein bisschen wenn es um Besitz von Cannabis geht. Kleinere Mengen bis in den niedrigen zweitstelligen Grammbereich werden erst gar nicht verfolgt! Da passt es wunderbar, wenn der neue Drogenbeauftragte ein Ex-Kiffer und Punk ist, der sich gut auskennt und mit Sicherheit der üblichen Alkohollobby eben nicht verfällt. Eigenbedarf ist sein liebstes Stichwort und dieser Herr Voboril setzt sich intensiv für eine weitere Entkriminalisierung ein, ganz anders als beispielsweise die deutsche Bundesdrogenbeauftrage Mortler, die Kiffer am liebsten für immer wegsperren würde.

Mit rund 650.000 mehr oder weniger alkoholsüchtigen Leuten im Lande hat man auch ganz andere Sorgen, wobei freilich mehr als 40 Prozent aller jüngeren Tschechen auch schon Erfahrungen mit Haschisch und Marihuana gemacht haben. Gut 100.000 Leute rauchen regelmäßig, das ist viel für das kleine Binnenland, und angesichts dieser Zahlen macht es wenig Sinn, hier die Gesetze zu verschärfen.

Ist Cannabis in Tschechien legal?

Nein. Zwar gibt es schon seit gut 4 Jahren die Möglichkeit, sich ein Rezept für Medizinalhanf ausstellen zu lassen, doch klappt die Versorgung mit den Grasblüten in der Apotheke ähnlich schlecht wie in Deutschland, was wiederum viele Kiffer und Patienten gleich zum Dealer gehen lässt. Angesichts der extrem einfachen Verfügbarkeit von Cannabis auf Grenzmärkten oder eben im Stadtzentrum von Prag ist von einem stark entkriminalisierten Konsum zu sprechen. Wenn Du Kiffer-Reisen planst und dabei Tschechien ins Auge fasst, dann ist das sicher keine schlechte Wahl! Freilich hast Du als Ausländer meistens nicht so gute Karten, wenn Dich die örtliche Polizei fasst, dann werden nämlich wie in Tschechien etwa auch bei Geschwindigkeitsübertretungen sehr saftige Geldstrafen fällig. Und wer dealt im großen Stil, der geht in den Knast, darüber sollte sich auch bei den Tschechen niemand Illusionen machen.