Cannabis und Psychosen

Das Problem Cannabis und Psychosen bewegt viele Leute und wir haben mal geschaut, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen und warum es derzeit überhaupt keine abschließende Forschung gibt zu dem Thema. (Bild von Gerd Altmann auf Pixabay)

Seit einiger Zeit geistern Berichte durch die Hanf Medien, nach denen Cannabis auch zu einer Psychose führen könnte. Das klingt schlimm, bedarf jedoch einer genaueren Betrachtung, schließlich sind die allermeisten Kiffer und Hanfpatienten psychisch weder krank noch belastet. Aber handelt es sich demnach um ein utilitaristisches Problem, bei dem eine Legalisierung von Haschisch und Marihuana nun mal der Mehrheit großen Nutzen bringt, was dann die wenigen an Psychosen leidenden Leute als Kollateralschaden abhaken lässt? Werfen wir dazu mal einen etwas ausführlicheren Blick auf die aktuelle Forschung, das ist immer besser als das Rauf- und Runterbeten von Fake News wie es unsere Politiker häufig gerne tun beim Thema Cannabis.

Die Bedenken einiger Wissenschaftler beim Hanf

Ehrlicherweise müssen wir natürlich auf Publikationen und Studien hinweisen, die Cannabis selten, aber messbar als Verursacher von Psychosen bezeichnen. Einige dann freilich ziemlich ideologisch agierende Leute halten sogar einen Anstieg der Gewalt in den Legal States der USA dank Haschisch und Marihuana für möglich! Ursache dafür wären die Psychosen und auch wenn es dafür keine empirischen Untersuchungen gibt, so wollen wir die Angst vor den mentalen Störungen nicht einfach abtun. Als dann jüngst die bekannte Studie erschien im Psychiatrischen Report und über Beziehungen vom Hanf zu den Psychosen eine Debatte aufmachte, da gaben selbst die Autoren der Untersuchung eine ziemlich spärliche Datenlage zu – die Aufregung freilich war schon da und seitdem schwätzen uns täglich unwissende Proleten die Gefahren einer Psychose dank Kiffen in die Ohren.

Fakt ist: Der Zusammenhang von Psychose und Kiffen ist nur eine Vermutung!

Es gibt bis dato nur einen Abgleich von wenigen und daher kaum aussagekräftigen Daten und demnach eine Hypothese, so dass Wissenschaftler hier schlussendlich nur vermuten. Weder die Maus im Labor noch der Mensch im weiteren Versuch sind bezüglich der Psychosen umfassend untersucht – daher sind sich die Forscher fast alle einig, dass die mentalen Störungen in erster Linie Leute betreffen, die eine Veranlagung haben und hier kann Cannabis mitunter dann wahrscheinlich zur Auslösung solcher Probleme führen. Darüber hinaus fehlen entscheidende Paramater bei der Beurteilung eines möglichen Zusammenhangs, allen voran die demografische Struktur.

Welche demografischen Faktoren sind bei Cannabispsychosen einzurechnen?

Solcherlei ist überhaupt nicht passiert und bei den erwähnten Studien spielen zum Beispiel Frauen als Subjekte bis dato keine Rolle. Wie aber soll ohne eine Analyse der Geschlechter, des Lebensalters und so weiter eine klare Datenlage zu den Psychosen beim Hanf entstehen? Wissenschaftler, die dazu forschen, haben sich in Einrichtungen zur Suchtberatung erkundigt und dort sind häufig Männer zu finden, was dann wie beschrieben die Studie schnell verzerrt. Wie stehts beispielsweise um den Einfluss von Östrogen, das bekanntlich nur Frauen produzieren?

Auch werden fast immer nur Europa und die USA oder auch Kanada beschrieben – Cannabiskonsum findet jedoch überall und in vielen Staaten noch weit intensiver statt! Für Afrika oder Asien gibt’s gar keine Daten. Es ist also vorstellbar, dass kulturelle Normen und Zwänge, dass soziale Faktoren die Psychose begünstigen und Cannabis hier nur als zusätzlicher Impulsgeber wirkt, wohl aber keinesfalls als eigentliche Ursache.

Cannabisstudien im Auftrag der Regierung

Weiter geht es mit den Auftraggebern. Private Analysen wollen entweder ein Produkt aus dem Hanf als ungefährlich erklären und dann damit Kasse machen, was verständlich ist, doch faktisch leisten die betreffenden Unternehmen eine Menge Grundlagenforschung und fördern viel Erstaunliches zutage. Wird jedoch eine Studie von der Regierung unterstützt, die Cannabis zwar manchmal legalisiert, im Prinzip aber als Instrument der Entspannung für freie Bürger insgeheim ablehnt, dann ist der Tenor häufig negativ – finde den Fehler und berichte darüber, ist dann die Devise. Daneben sind die Testobjekte wegen selbst auferlegter Restriktionen nicht sonderlich aussagekräftig und wenn beispielsweise in den USA der Nutzhanf auf Psychosenverdacht durchleuchtet wird, weil diese Art Cannabis mit wenig THC nun mal erlaubt ist allein, dann werden die Erkenntnisse daraus natürlich nicht so hilfreich sein wie eine Studie mit richtigem Haschisch und Marihuana!

Welche Risiken sind besonders zu beachten?

Psychosen werden natürlich nicht einzig und allein durch den Konsum von Hanf ausgelöst, sondern haben komplexe Gründe. Auch ist die Psychose ein Symptom, keine eigentliche Krankheit, was begünstigt werden kann durch ein Trauma, durch Medikamente, Hormone und vieles mehr. Genetische Faktoren und Stress kommen dazu und auch der Alkohol kann Psychosen mitbegünstigen, gerade bei einem Entzug sind die entsprechenden Verwirrungen häufig. Wer zu wenig schläft und im Knast gefoltert wird, der bekommt ebenfalls solche mentalen Aussetzer nach einer Weile – Cannabis kann also unter keinen Umständen als besonderer Risikofaktor einfach so ungeprüft herhalten!

Normale Empfindungen sind keine Cannabis Psychose!

Anfänger haben beim Kiffen häufig zunächst ein leichtes Angstgefühl, schließlich sind die Empfindungen neu und ungewohnt, aber das gibt sich in so gut wie allen Fällen sehr schnell. Steigert sich jemand allerdings herein, wird dazu noch angetrieben und verängstigt, dann ist eine Psychose als Ausdruck von Verwirrtheit möglich – aber eben auch keine dauerhafte mentale Störung, wie uns das durch die Anti-Hanf Lobby immer noch erzählt wird. Cannabis Experten empfehlen nicht umsonst ausreichend Flüssigkeit beim Kiffen, dazu ein paar Süßigkeiten mit dem Hirnbooster Zucker und wenn verfügbar Hanfsorten mit weniger THC, aber mehr CBD.

Im Moment können Wissenschaftler also im Prinzip nur sagen, dass wir 20.000 Leute vom Hanfkonsum fernhalten müssten, um dann eine Person vor einer Psychose zu schützen – ist das gerechtfertigt? Wenn ja: Wieso ist Biertrinken dann ok und Kartoffelchips essen?

Quelle:

Springer.com