Cannabis und Wikinger

Vor ein paar Monaten machten Schlagzeilen die Runde, nach denen die Wikinger offenbar Hanf angebaut haben auf Neufundland – neue Ausgrabungen bezweifeln das jetzt. (Bild von Paolo Ghedini auf Pixabay)

Vor einiger Zeit hatten wir berichtet, dass Forscher Spuren von Hanf in alten Wikingersiedlungen auf Neufundland ausgraben – doch das muss mittlerweile relativiert werden: Die im Torfmoos entdeckten Pollen könnten laut Forschung von der Cannabispflanze stammen, doch sind die Spuren wohl zu gering, um einen großflächigen Anbau durch die Nordmänner zu rechtfertigen! Auch gibt’s eine Reihe von Pflanzen, die sehen im Torf gelagert ähnlich aus – haben den Hanf also schon Leute vor den großen Kriegern in Neufundland gezüchtet?

Aber warum dann die Hinweise auf Cannabis?

Die Schlagzeilen waren auch bei uns schnell geschrieben „Wikinger kifften“ und so ähnlich, doch die damit befassten Wissenschaftler halten den entdeckten Hanf entweder für älter oder auch jünger, auf jeden Fall aber nicht in die Epoche der Nordmänner gehörend. Bei Karbonanalysen des Torfs wurde den entdeckten Pollen ein Alter zugewiesen, das dann ins etwa 13. Jahrhundert fällt – eine Zeit, in der die Wikinger längst Staaten gegründet und sich von dem wilden Leben entlang der Küste auch Neufundlands verabschiedet hatten.

Bei den Pollen, die aussehen wie Cannabis, wurde auch noch Holzkohle entdeckt und verschiedene Insekten, die laut Forschung nicht zur Zeit der Wikinger in dieser Gegend aufgetaucht sein dürften. Aber war es schon davor da und wurde auf Neufundland von Ureinwohnern gekifft – oder kamen die Pollen später dorthin, doch wenn ja: mit wem? Amerika wurde erst durch Kolumbus entdeckt im engeren Sinne und die einzigen Seefahrer, die zuvor über den großen Teich segelten, waren die Wikinger. Rätselhafter Hanf – hier rauchen die Köpfe der Wissenschaftler!

Oder haben die Nordmänner das Marihuana vergessen?

Auch das ist möglich und die Spuren könnten dann auf Leute hinweisen, die beispielsweise als örtliche Jäger und Sammler die Holzbuden der Wikinger entdeckten, sich dort am nachwachsenden Hanf labten – alles sehr mysteriös und eben nicht so eindeutig geklärt wie auch von uns vielleicht etwas vorschnell verkündet. Ebenso könnten die Ureinwohner das Gras bereits gekannt und kultiviert und mit den Wikingern gemeinsam eine Pfeife durchgezogen haben!

Als gesichert gilt: Cannabis kommt nach Amerika mit den europäischen Kolonisten, genauso wie die Masern und das ist einige Jahrhunderte nach den Wikingern. Heute wird auf Neufundland auf jeden Fall Gras angebaut, verkauft und konsumiert – der Hanf ist legal in Kanada und so hat vor Ort auch ein großes Unternehmen aus dem Bereich Haschisch und Marihuana eine Zuchtanlage gebaut. Die Halbinsel ist historisch betrachtet also ein spannender Cannabis Hot Spot – wir warten gespannt auf die nächsten Ausgrabungen.