Krankenkassen Bilanz Hanfmedizin

Die Krankenkassen ziehen mal wieder Bilanz zur Hanfmedizin und beschweren sich, dass Cannabis auf Rezept zu hohe Kosten verursacht (Bild von Michael Schwarzenberger auf Pixabay).

Gehen die Deutschen zum Arzt und fragen nach Cannabis auf Rezept, dann werden laut einem aktuellen Bericht der Kassen vor allem hochwirksame Hanfblüten verschrieben. Diese wirken bekanntlich bei Schmerzen und vielem mehr, sind zudem umfassend erforscht und in modernen Ländern mittlerweile selbstverständlicher Bestandteil bei einer ganzen Reihen von Therapien. In der Bundesrepublik haben aber die Krankenkassen immer noch ein Wörtchen mitzureden bei einer Behandlung und in der gerade veröffentlichten Bilanz stehen mal wieder die hohen Preise für Hanfmedizin im Fokus. Auf immerhin rund 150 Millionen Euro summieren sich die Kosten für Marihuana vom Arzt, das ist eine Steigerung von 500% gegenüber dem Vorjahr und hat bekanntlich mit der schlechten Planung im Gesundheitsministerium zu tun. Auch vier Jahre nach Legalisierung hat Deutschland noch immer keine eigene Grasernte für die Patienten eingefahren – hier ein Überblick zur Sichtweise der Krankenkasse.

Nimmt die Cannabis Therapie durch Geiz und Misstrauen Schaden?

Das zumindest befürchten Wissenschaftler und Ärzte: Krankenkassen sind Kostenträger und deshalb immer Bedenkenträger und auch wenn sich Patienten, behandelnde Mediziner und die Forscher selbst sehr positiv zu den Wirkungen von Hanf äußern, bleibt der Daumennagel der Beamten immer wieder in der Bilanz bei den Ausgaben hängen. Passend dazu liefert die Universität Bremen eine merkwürdige Studie, nach der die Mittel für Cannabis angeblich verschwendet sind. Wird hier mal wieder versucht, den Fortschritt durch einen Verweis auf die Kosten zu bremsen – während andere Länder bei Marihuana als Therapeutikum schon viel weiter sind und zudem die Patienten selbst entscheiden lassen, ob man Geld ausgeben möchte für Gras vom Arzt?

Hanfblüten sind hochwirksam und werden häufig verschrieben: Verständlich, dass die Leute nachfragen und gerne eine wirksame, gut verträgliche Medizin wünschen statt der chemischen Keule mit Nebenwirkungen. So entfallen mehr als 60% der oben genannten Ausgaben auf Marihuana, also klassisches Gras, das sich praktisch im Joint rauchen oder per Vaporizer verdampfen lässt. Die vorgeblichen Wissenschaftler aus Bremen nennen das tatsächlich „auffällig“ und durch Zitate von Schmerzmedizinern aus Bochum wird in dem Bericht ernsthaft versucht, Mediziner mit kriminellen Dealern gleichzusetzen – weil die entsprechend legale Mengen verordnen in der Praxis! 

Zerbricht die gesetzliche Krankenversicherung an Hanf als Medizin?

Inwieweit nun das Verordnen nach den Vorgaben vom Gesetzgeber beim Hanf strafbar oder auch nur anrüchig sein soll, ist natürlich auch durch aufmerksame Leser nicht nachvollziehbar, aber vorgeblich könnte Cannabis „zu Lasten der GKV“ gehen, meinen die Forscher von der Universität Bremen. Ein starkes Stück wenn man bedenkt, dass gerade die Grasblüten in unzähligen Studien in Ländern überall auf dem Erdball intensiv erforscht sind in puncto Wirksamkeit!

Gut 80.000 Leute bekämen laut Bericht der Kassen die gut verträgliche Medizin und das mögen weder Quacksalbern noch die Pharmaindustrie. Die Studie in Bremen hat übrigens eine Versicherung mit Namen BKK Mobil Oil bezahlt, das klingt nach Petrodollars und Benzin im Blut, aber offenbar passen dem Vorstand dort gut 1000 Patienten nicht, die um Kostenübernahme für das Cannabis ersuchen.

Verfasser ähnlicher Reporte über die hohen Kosten von Hanf sind übrigens häufig Apotheker, die freilich durch ihr Gebaren bei der angeblich nötigen Zubereitung von Cannabis massiv profitieren beim Preis und es ist beschämend, wenn Patienten als „pro Kopf“ Kostenfaktor mit 2000 Euro gleichgesetzt werden. Ganz nebenbei wäre Gras auch spottbillig, so es die Politik besser organisieren würde mit der Versorgung, aber da sind wir wieder beim Gesundheitsminister und dessen in diesen Tagen ohnehin heiß diskutierter Kompetenzu.

Was sind die Gründe für ein Cannabis Rezept?

Immerhin und für interessierte Leser hilfreich ist die Auflistung der Beschwerden und Krankheiten, für die Hanf in Deutschland durch moderne Ärzte besonders häufig verschrieben wird. Ein Rezept für Cannabis erhielten so beispielsweise

  • 27% der Patienten für chronische Schmerzen,
  • 7% Rückenschmerzen,
  • 6% spastische Krämpfe,
  • 5% neuropathische Schmerzen.

Letzteres wurde übrigens gerade in einer frischen Studie zu Cannabis bei neuropathischen Schmerzen nach einer Chemotherapie untersucht und für hochwirksam befunden, was die würdelosen Anschuldigungen in dem Bericht gegenüber Hanf Ärzten als völlig absurd erscheinen lässt – in Deutschland sind medizinische Fakten aber wie beschrieben auch durch Beamte in den Amtsstuben zu beurteilen. Statt die Kosten durch eine Aufforderung an die Politik zu senken, wird lieber von Dealern in der Arztpraxis und von schwerer Cannabisabhängigkeit durch die Weißkittel schwadroniert.

Hanf sollen nur sehr wenige Patienten bekommen: Ein Schelm könnte gleich an die guten Impftstoffe gegen das Coronavirus denken, die es ja auch nur für wenige gibt und wenigstens kommen die in der Bilanz zitierten Experten um eine Wirksamkeit der Cannabinoide nicht herum. Multiple Sklerose und eine Querschnittslähmung stellt man sich vor als Indikationen für Cannabis, maximal, aber Patienten in der Palliativmedizin sollen nicht dazugehören! Andere Medikamente, die mehr als 50 Millionen Jahreskosten aufrufen, müssten ebenso intensiv auf ihre Effizienz geprüft werden und wir können nur hoffen, dass die zuständigen Beamten auch mal in die internationale Marihuana Forschung schauen und nicht nur bei der Universität Bremen zu den benötigten Fakten nachfragen.