Cannabiskonsum Stimme Tonlage

Eine neue Studie untersucht den Einfluss vom Cannabiskonsum auf die Tonlage der Stimme – haben Kiffer einen tiefen Bass oder klingen wie Kastraten? (Bild von Khoa Lê auf Pixabay).

Klangforscher aus den Vereinigten Staaten haben untersucht, wie das Rauchen von Marihuana Blüten einen negativen Einfluss ausübt auf die Stimmritzen. Tenor: Wer öfters Joints konsumiert, klingt irgendwann auch anders! Nun ist allgemein bekannt, wie Rocksänger, Opernstars oder auch Lehrer und Politiker gelegentlich Gras rauchen und wir wollen uns mal ansehen, was die Spezialisten im Fachmagazin „Journal of Voice“ dazu an Erklärungen liefern. An der Drexel Universität in Pennsylvania haben die Wissenschaftler keine Scheuklappen auf und betonen übrigens bei der Vorstellung der Studienergebnisse, man könne nun endlich viel besser forscher als in den vielen Jahrzehnten zuvor, als Hanf in den USA so brutal verfolgt wurde wie heute nur noch in Deutschland und China. Erkenntnisse sind eben nur möglich ohne Glasdecke oder man klaut das Wissen anderer wie in Fernost beziehungsweise richtet sich ein im Biedermeier ohne Fortschritt wie in Mitteleuropa. Also müssen wir weiterhin spannende Studien zum Cannabis und der Tonlage der Stimme aus Übersee einsehen und zugleich erkennen, wie die völlig zurückgebliebene Bundesrepublik selbst auf dem Gebiet der Klangforschung rund um professionelle Chöre, Bässe und den Sopran den Anschluss verliert an die neusten wissenschaftlichen Untersuchungen.

Umfassende Befragung von Sängern und Sängerinnen zum Cannabis

Früher gingen Opernsänger zum Training im Herbst in den Wald, schrien so lange gegen Felswände bis die Stimmbänder rissen und bekamen dann nach der Heilung tatsächlich einen raueren Klang – glücklicherweise sind solche Sitten heute kaum noch verbreitet. Es gibt vielmehr spezielle Stimmforschungsanstalten, wo Erkrankungen auf diesem Gebiet durch hochspezialisierte HNO-Ärzte behandelt werden und ein Forscher hat sich das Problem rund um den Cannabiskonsum und den Einfluss auf die Tonlage der Stimme genauer angeguckt.

Befragt wurden 42 Leute, die zum Beispiel regelmäßig im Chor singen oder sonstig akustisch expressiv unterwegs sind. Von denen räumten 77% ein, auch Cannabis zu konsumieren. Beinahe die Hälfte der Sänger/innen verwies auf einen sofortigen Einfluss beim Kiffen, ein gutes Drittel meint eher langfristige Veränderungen beim eigenen Klang der Stimmritzen ausmachen zu können. Einer meinte sogar, dass Essen von Haschkeksen hätte die Stimme verändert, aber das wurde wohl zu Recht vernachlässigt – im Fokus steht vor allem das Rauchen von Joints, welche bekanntlich häufig mit Tabak gemischtes Marihuana enthalten. Explizit nicht zur Analyse standen der Vaporizer zum Verdampfen, was ja heute vielfach bevorzugte Konsummethode ist für immer mehr Leute, weil solche Geräte die Cannabinoide eben nicht verbrennen, sondern passgenau erhitzen. 

Am häufigsten wurden als negativ empfundene Aspekte berichtet wie Heiserkeit und eine schwächere Stimme. Allerdings führt zu viel Kraft in der Luft bekanntlich auch zu weniger Sound in der Trompete.

Dürfen akustisch aktive Menschen keinen Hanf rauchen?

Soweit wollen die Forscher nicht gehen: Der Konsum von Cannabis ist jedoch für Profis auf der Bühne, die als Sopranistin oder Bass regelmäßig die unterschiedlichsten Tonlagen auf Kommando können müssen, eher in der spielfreien Zeit ratsam und es wird auf die noch viel größeren Gefahren durch das Trinken von Alkohol verwiesen, der nicht nur langfristig den Sound schwächer macht, sondern durch Schäden im Hirn motorische Fehlleistungen begünstigt bis hin zum totalen Versagen der Stimme! Ein großes Problem, das könnten die Wissenschaftler problemlos auf Deutschland übertragen, ist die bis dato fehlende Legalisierung von Cannabis, das auf dem Schwarzmarkt beim Dealer manchmal gestreckt verkauft wird, Schadstoffe enthält und dadurch zusätzlichen Stress für die Stimmbänder bedeutet.

Tiefere Tonlage, mehr Räuspern, Hustenanfälle im schlimmsten Fall bei der Chorprobe oder gar Premiere – die Forscher in Pennsylvania meinen, Kiffen wäre mit einer Wasserpfeife und mit der klassischen Bong empfehlenswerter. Beim Rauchen von Tabak sollte man generell Abstand halten als Profi der Gesangkunst. Wie bei vielen ähnlichen Studien könnte sich am Ende auch hier herausstellen, dass es eben die Beimischung ist von Zigaretten zum Gras, was den Schaden anrichtet und wir würden uns eine Untersuchung wünschen in ein paar Jahren, die Konsumenten von Hanf mit dem Vaporizer befragt und das pure Verdampfen von Cannabis berücksichtigt als möglicherweise viel schonendere Verwendung der Cannabinoide auch für die Stimmbänder.