My first plant

Die Anbieter bei „My First Plant“ offerieren ein Investment in Cannabis Pflanzen und versprechen hohe Renditen mit Hanf – wirklich? (Bild von mohamed Hassan auf Pixabay).

Geld in die Morgenröte der Legalisierung von Marihuana zu stecken könnte sich lohnen. Sicher sind Cannabis Aktien ein spannendes Investment rund um Hanf als Medizin und Genussmittel zumal in Zeiten der Legalisierung, aber darüber hinaus finden wir zunehmend weitere Angebote um mit Gras Kapital zu spekulieren. Eine Offerte ist beispielsweise „My First Plant“, bei denen wir sozusagen das Anbauen einer Hanfpflanze finanzieren und am Verkauf derselben verdienen können. Aber funktioniert das wirklich und sind die Betreiber für diese Form von Marihuana Marketing seriös? Ein Blick ins Impressum zeigt immerhin schon mal, dass die Leute in Österreich sitzen und nicht in Nordkorea und da haben wir für Euch mal einen Test gemacht. Mit der bald erfolgten Freigabe von Weed in Deutschland werden noch viel mehr Chancen zur Verfügung stehen für pfiffige Kiffer und Investoren, aber eben auch viel mehr Risiken lauern bei Firmen, die in Wirklichkeit gar keine Substanz haben für ein echtes, attraktives Geschäftsmodell.

Ist das Cannabis Unternehmen seriös?

Wahrscheinlich. Die Firmenadresse befindet sich in Klagenfurt, es gibt einen Eintrag als „MFP My First Plant GmbH“ im Handelsregister mit den entsprechend aufgeführten Personen des Hanf Unternehmens. Einige Beobachter verweisen aber bei zwei Geschäftsführern auf frühere Tätigkeiten im Bereich Trading mit Finanzinstrumenten – und vor der beteiligten Firma warnte vor gar nicht allzu langer Zeit die Bundesfinanzaufsicht (BaFin) höchstpersönlich!

Kenner denken vielleicht gleich an den Fall der Deutschen Cannabis AG. Deren Führungspersonal war früher in der Musikbranche, später rund um Erneuerbare Energien tätig, ohne besonderen Erfolg und deshalb auf der Suche nach aussichtsreichen Branchen. Hanf erschien ihnen als Zukunftsmodell, doch schon bald gab es saftige Vertragsstrafen für die Nichtveröffentlichung von Berichten an der Börse und vor wenigen Wochen wurde der Handel mit den Aktien dieser Firma schließlich eingestellt.

Glücksritter und Betrüger in der Hanfbranche

Nun können wir natürlich nicht per se jeden Unternehmer ausschließen, nur weil früher vielleicht mal etwas schiefging. Die Macher von „My First Plant“ jedoch scheinen ziemlich aktiv gewesen zu sein und waren häufig in Konflikt mit Behörden ganz unterschiedlicher Länder, was uns verständlicherweise stutzig macht. Eine Goldgrube wie die Legalisierung von Cannabis lockt viel irrlichternde Glücksritter an, mindestens, die häufig nicht weit weg sind vom Betrug und da müssen wir vor einem Marihuana Investment unbedingt aufpassen. Viele Leute wittern sozusagen den Aufbruch und bieten von Solarenergie über Kryptowährungen bis hin zu nun eben Hanf eine Menge angeblich unschlagbarer Offerten, reiten dabei nur Trends und schüren Erwartungen von blauäugigen Anlegern.

Welches Anlagemodell wird bei „My First Plant“ angeboten?

Die Geschäftsidee lautet wie folgt: Investoren kaufen eine Hanfpflanze, erhalten viermal im Jahr Informationen zur Ernte und müssen vom Erlös durch den Verkauf von Grasblüten und restlicher Biomasse nur einen kleinen Teil an die Betreiber abtreten für Zucht und Betreuung der Spots. Klingt genial a la Beteiligung beim Cannabis Anbau und wir könnten gewissermaßen am Boom verdienen, ohne uns selbst mit Pestiziden, LED Beleuchtung und der Wasserversorgung für die Pflanze zu beschäftigen. Auch handelt es sich um CBD Hanf, der nicht berauscht und garantiert legal ist da die erlaubten THC Limits von maximal 0,2% eingehalten werden.

Wir haben uns also mal angemeldet und finden eine recht übersichtliche Maske zum Eingeben und zur Übersicht der Daten vor, natürlich in Grün. Es finden sich FAQ-Bereich, Kundenservice, Shops und ein Überblick zur Ernte, wobei bei uns logischerweise keine Daten geprüft werden können. Ordentlich sieht das aus, aufgeräumt – aber warum finden wir unseren Anmeldenamen plötzlich geändert vor? Komisch, aber vielleicht nur ein formales Detail. 

Klingt alles recht gut und wir schauen auf folgende Aspekte gesondert:

  • Pro gekaufter Pflanze sind rund 100 Gramm Marihuana mit CBD zu erwarten, das zu etwa einem Euro pro Gramm veräußert wird bei dreimaliger Ernte im Jahr,
  • Auszahlungen erfolgen auf ein Konto oder bevorzugt per Bitcoin,
  • Mengen Rabatte werden offeriert und Interessierte sollen dafür direkt Kontakt aufnehmen mit den Betreibern,
  • Hanfpflanzen sind insofern versichert, dass bei Verlust ein neues Gewächs gratis zur Verfügung gestellt wird und
  • die Zuchtanlagen lassen sich vorgeblich besichtigen, allerdings nur mit einem Termin.

Besondere Wichtigkeit scheint die Stromversorgung zu haben. Wiederholt wird auf den möglichen Blackout verwiesen, der allerdings bei diesem Unternehmen garantiert niemals kommt und die Beleuchtung für das reifende Cannabis wäre immer gesichert. Selbst vererben lassen sich die Spots und im Ganzen ist das sicher bei seriösem Wirtschaft ein attraktives Geschäftsmodell.

Erinnern wir uns aber an die oben angeführten Verdachtsmomente – die Leute bei der früheren Trading Firma, die nun dem Cannabis Unternehmen vorsitzen, werden auffällig oft beschuldigt durch Kunden und Behörden, es mit der Auszahlung nicht so genau zu nehmen! Spieler im Online Casino kennen dieses Problem gut und da werden dann eine Menge vorgeschobener Gründe ausgewiesen, die in hinterlistiger Wort Akrobatik begründen warum es kein Geld gibt trotz der Versprechungen zum Einstieg.

Drückerkolonne im Hanf Business: Ob wir soweit gehen wollen und das Angebot von „My First Plant“ als Betrug bezeichnen ist uns auch nach dem Test nicht klar, aber alleine diese Unsicherheit spricht eigentlich gegen ein Investment. Klar wird man nicht immer sofort auf der Startseite alle Infos verfügbar machen, die Kunden müssen sich anmelden, aber wer unser Geld und Kapital will zumal in einer noch jungen Branche wie beim Cannabis sollte etwas seriöser auftreten. Vor allem die Leichen aus dem Keller sind zu entfernen, alles andere erscheint uns zu riskant und wir raten bei diesem Angebot unbedingt zur eingängigen Prüfung. Vielleicht beginnt man erstmal mit nur einer Pflanze und schaut wie es läuft bevor gleich eine ganze Parzelle Cannabis gekauft wird bei diesem Anbieter?