Amnestie bei Cannabis-Vergehen

Cannabis News aus den USA sind dieses Mal der steigende Tourismus dank Hanf in Colorado, eine Amnestie für Kiffer in San Francisco und wir schauen auf die Lage in Hawaii und im Kongress in Washington.

Bis dato können wir noch nicht legal kiffen auf Hawaii und aufgrund grotesker Verzögerungen auf den Inseln mit den Vulkanschloten hat sich auch vorvergangene Woche daran noch nichts geändert – Was ist passiert? Außerdem geht unser Bericht nach Washington, DC, wo ein neues Gesetz für Furore sorgt und nichts weniger als die vollständige Legalisierung von Hanf in den gesamten USA zum Ziel hat. In Colorado kommen immer mehr Touristen wegen Haschisch und Marihuana und San Francisco arbeitet derzeit an einer umfassenden Amnestie für Cannabis-Vergehen bis zurück ins Jahr 1975.

Hawaii: Wann kommt die Cannabis Legalisierung?

Maui Waui und Co, das sind Hanfsorten nicht nur dem Namen nach von Hawaii und es ist schon ein wenig seltsam, dass ausgerechnet im Südseeparadies der USA bisher noch nicht das Cannabis wie in anderen Legal States vollständig erlaubt ist. Zwar regieren auf Hawaii die Demokraten quasi durch – auf den Inseln dürfen Zigaretten erst ab 21 Jahren verkauft werden und der Bundesstaat erkennt übrigens auch das Pariser Klimaabkommen an, im Gegensatz zum eigenen Präsidenten Donald Trump. Vorvergangene Woche nun rutschte eine Gesetzesvorlage in Richtung Freigabe durch, weil die verantwortlichen Politiker eine zeitliche Frist zur Debatte nicht einhielten. Was ist los beim Kiffen in Honolulu?

Warum ist Hawaii beim Cannabis so langsam?

Nun sind Haschisch und Marihuana als soziokultureller Aspekt nicht ganz so verschieden von der Schwulenhochzeit oder vom Tod auf Verlangen – für alle diese Dinge braucht es politische Entscheidungen und Gesetze und natürlich auch einen Konsens in der Bevölkerung. Auf Hawaii wird jedoch besonders lange diskutiert und man findet keine Entscheidung – mal wird die Furcht vor Sanktionen durch Bundesbehörden bei einer Legalisierung von Cannabis zitiert, mal geben sich Politiker stolz auf Hanf als Medizin, was ja schon verfügbar ist auf den Inseln. Möglicherweise ist die Stammeskultur mit langen Sitzungen und endlosen Gesprächen hier eine Ursache?

Absurde Verzögerungen und viel Geschwätz beim Hanf

Ganz aktuell war eine Sitzung im Gesundheitsausschuss zum Thema Hanf vorgesehen, aber es war niemand da – das Papier blieb unbearbeitet liegen und der Senat vor Ort kann nichts tun. So richtig klar ist die Lage nicht, denn zugleich bemühten sich Verantwortliche zu erklären, dass die Legalisierung von Cannabis auf jeden Fall käme, man bräuchte halt nur etwas mehr Zeit für die Debatte. So möchte man sich Legal States wie Colorado genauer anschauen – Wie lange soll das denn dauern bei dieser Geschwindigkeit auf Hawaii? Washington, Colorado und einige mehr haben schon lange den Hanf erlaubt, da hätte man doch schon längst mal forschen können. Ausreden der Politikerkaste also?

Lustigerweise gibt’s Cannabismedizin auf Hawaii schon seit dem Jahr 2000, doch die Verwaltung brauchte sage und schreibe 15 Jahre, um ein System aus Hanfläden – die berühmten Dispensaries – aufzubauen! Derzeit wird es wohl auf die Schnelle nur ein bisschen Entkriminalisierung geben hin zu geringen Strafen bei kleineren Mengen, aber der große Durchbruch für den legalen Joint mit Blick auf den Vulkan – das ist bisher noch nicht von Hawaii in puncto Cannabis zu vermelden.

Washington, DC: Neue Cannabis Gesetzesvorlage als Durchbruch?

Diese Meldung hat dann auch Cannabis-Aktien massiv bewegt – kommt schon bald die komplette Legalisierung von Hanf in den USA auf Bundesebene? Gerade wurde im Kongress eine Gesetzesvorlage eingereicht, der neue Marijuana Justice Act, und hiervor versprechen sich nicht nur die Demokraten einiges! Es geht neben der Freigabe von Hanf auch um die Korrektur vermeintlich rassistischer Strukturen beim „Krieg gegen die Drogen“ – was können wir beim Cannabis erwarten?

War on Drugs ist gescheitert

Zwar schon lange und eigentlich von Anfang an, aber erst in diesen Jahren sprechen das amerikanische Politiker immer deutlicher und öfters aus! Senator Booker brachte jüngst das neue Hanf-Gesetz ein, dieser Mann ist übrigens auch Kandidat als Präsident der USA in 2020. Ziel ist es, Cannabis von der Liste der kontrollierten Substanzen zu nehmen, es also zu legalisieren auf Bundesebene. Außerdem sollte eine Amnestie erlassen werden für Hanf-Straftäter. Wer für Gras verurteilt wurde, soll zudem aus einem Fond bei der Resozialisierung unterstützt werden – hier sind vor allem auch Schwarze angesprochen, die überproportional von der Polizei in Amerika bei Cannabis verhaftet werden. Der Krieg gegen die Drogen, das ist ein Krieg gegen die Menschen selbst, so die Meinung des Senators – und nur die bundesweite Freigabe von Haschisch und Marihuana wird hier den schlimmsten Verwerfungen eine Ende setzen.

Republikaner schließen sich an – und Bernie Sanders!

Der weiterhin beliebte alte weiße Demokrat Sanders gehört auch zu den Unterstützern der neuen Gesetzesvorlage beim Cannabis. Wird sich Donald Trump davon beeindrucken lassen und vielleicht die Initiative ergreifen, bevor die verhassten Demokraten sich diesen Erfolg auf die Fahne schreiben? Weitere Gesetze haben übrigens zum Ziel, es den Bundesbehörden dauerhaft zu verbieten, sich beim Hanf in die Angelegenheiten der Legal States einzumischen – und weitere Mittel freizumachen für die Hilfe gegenüber Leuten, die bei Straftaten rund um Hanf die volle und bekanntlich in den USA oft völlig überzogene Bestrafung erdulden mussten. Schwarze, Veteranen, Ureinwohner – Diese Gruppen haben meistens nicht viel von der Legalisierung etwa in Nevada oder Oregon und diesen Leuten soll künftig besser geholfen werden.

Colorado: Hanf kurbelt den Tourismus massiv an

Es ist ja nun schon länger eine Binsenweisheit, nach der eine Legalisierung von Cannabis auch mehr Touristen ins Land lockt – die Niederlande mit ihren Coffee Shops kennen Kiffer-Tourismus seit Jahrzehnten. Aber auch in den USA, in den beliebten Legal States, zeigt sich dieses Phänomen und wir wollen uns dazu mal Zahlen aus Colorado anschauen, dort ist der Hanf seit mehreren Jahren für jedermann frei verkäuflich.

Kiffen in den Rocky Mountains

Wenn jährlich im Schnitt etwa 80 Millionen Leute die Schönheiten Colorados von Aspen bis Denver besichtigen, dann sind davon etwa 10 – 12 Millionen Besucher auch einem Joint aus der Dispensarie nicht abgeneigt. Das sind gut 15% in der Summe! Hardcore-Kiffer gibt’s auch als Touristen, die kommen ausschließlich wegen Haschisch und Marihuana nach Colorado und machen derzeit immerhin schon gut 5% der Besucher aus. Schätzungen zufolge könnte sich der Umsatz mit Cannabis in den nächsten Jahren verzehnfachen und es ist verständlich, dass betreffende Länder respektive Bundesstaaten hierzu auch schon an die neuen Ströme von Besuchern denken. Damit lässt sich gut Geld verdienen und Kiffer sind allemal beliebter als chinesische Touristen, die auf ihren Reisen zwar nicht knauserig sind, aber eben laut, unhöflich, schmutzig und schlichtweg auf Dauer unerträglich.

Kalifornien: San Francisco löscht Cannabis aus Strafregister

Fast 10.000 Fälle werden bearbeitet von den Behörden, um Vergehen rund um Cannabis aus den Registern zu entfernen – „If you going to San Francisco, be sure to wear flowers in your hair“ war eben nicht einfach nur ein Song von Scott McKenzie, sondern ist heute konkrete Aufgabe für die Kommunalpolitik vor Ort. Ein Jahr hat die Sichtung der Fälle gedauert – nun werden die Sünden aus dem idiotischen Krieg gegen die Drogen gelöscht und damit hoffentlich auch die Reputation der Betroffenen verbessert.

Ist die Generalamnestie beim Cannabis notwendig?

Ja, uneingeschränkt, denn alles andere wäre Heuchelei bei einer Legalisierung von Hanf! Egal ob jemand ein Kilo geschmuggelt hat in den 70ern oder zwei Gramm einstecken vor 5 Jahren – andere Kommunen in Kalifornien haben ähnliche Pläne zur Amnestie wie San Francisco. Das ist eine moralische Pflicht ganz nebenbei und die entsprechende Justiz-Reform ist unverzichtbarer Bestandteil einer echten Cannabis-Legalisierung. Natürlich werden Raubmörder mit Weed in der Tasche nicht begnadigt, logisch – daher ja auch die langen Prüfungen.

Oft bekommen Betroffene keinen Job, keine Versicherung, keinen Kredit – im schnöden Mammon Land USA ist Geld nun mal alles und wer keins hat, schaut in die Röhre. Absurd, wenn dafür das Rauchen eines Joints verantwortlich sein soll!  Besonders Minderheiten wie Schwarze und Latinos werden häufig scharf bestraft und haben das damit quasi das ganze Leben schon in den Binsen, was durch die neue Regelung geändert wird. Bis 1975 geht San Francisco dafür zurück in den Strafregistern, das ist konsequent und wir freuen uns schon auf das Gesicht von Gesundheitsminister Spahn, wenn er in einigen Jahren die Cannabis-Legalisierung in Deutschland bekanntgeben muss – und dann auch die Amnestie für all die Kiffer und Kleindealer, die der selbstgerechte Jens derzeit noch so gerne beschimpft und beleidigt.