Cannabis Islam Muslime

Cannabis und Islam müssen sich gerade bei einer Verwendung als Heilmittel nicht unbedingt ausschließen und so dürfen Sufi Muslime kiffen (Bild von Konevi auf Pixabay).

Viele Menschen glauben immer noch an Gott und richten sich nach Regeln, die vor tausenden von Jahren zur Sinngebung und Erklärung beitrugen. Auch der Islam ist so eine Auffassung und wir wollen mal auf Cannabis schauen und auf die Frage, ob Muslime eigentlich kiffen dürfen. In den nach dieser Religion regierten Staaten finden wir oft genug barbarische Strafen für so manches Kinkerlitzchen und die Frauen zwischen Kabul und Riad haben mit Sicherheit kein sonderlich schönes Leben. Dürfen sich die Leute dort wenigstens mit Haschisch und Marihuana entspannen oder hat der allgegenwärtige Prophet auch dazu einst die Engel singen gehört und strenge Vorschriften formuliert? Selbst in Mitteleuropa und damit sozusagen auf dem Erbe der Aufklärung machen sich islamische Regeln breit und wir haben zu dieser Ironie der Geschichte mal mit der großen Hanf Lupe inspiziert, was die örtlichen Mullahs und Religionsgelehrten zum Kiffen so von sich geben.

Lassen sich Cannabis Konsum und muslimischer Glaube kombinieren?

Wie zu erwarten weichen die Sittenwächter des Islam auf konkrete Fragen aus. Zunächst wird behauptet, es gäbe „den Islam“ so nicht und man müsse sich gewissermaßen die einzelnen Strömungen und Subkulturen anschauen. Vor allem die sittenstrengen Kalkriesen in der Moschee lehnen Cannabis streng ab, faseln ganz ähnlich wie die katholische Kirche vom Teufel und unterscheiden sich sowohl bei der Stellung der Frau wie auch beim THC kaum von der CDU/CSU.

Andere Gruppen im Islam halten das Kiffen für erlaubt, zumindest in kleinen Mengen und verweisen auf die Forderung vom Propheten, den Verstand niemals einzutrüben. Das Verbot von Hanf wird vor allem durch Schiiten, Hanbaliten und Schafiiten praktiziert und dem stehen Hanafiten und Malikiten als Befürworter von THC gegenüber. Erstere sind mächtiger und vor allem in Staaten präsent, die entweder wie bei den Saudis im Öl schwimmen oder eine eher ungebildete Bevölkerung knechten. Interessanterweise hat sich das Verbot von Gras jedoch historisch entwickelt und ging und geht einher mit dem Niedergang des Islams!

Der Islam, die Fatwa und das Kiffen im Wechselspiel

Der westlich inszenierte „Krieg gegen die Drogen“ hat seine Ursache in der Sittenstrenge einiger Evangelikalen, die im 20. Jahrhundert mit List und Hinterlist Einfluss ausüben konnten auf die Drogenpolitik der Staaten. Ganz ähnlich war das im Mittelalter beim Islam, denn bis in das 13. Jahrhundert hinein wurde unter dem Halbmond wirklich überall gekifft!

In den muslimisch eroberten und beherrschten Ländern war es offenbar ziemlich langweilig und weil man für Alkohol den Kopf verlieren konnte, griffen viele Menschen eben zum Cannabis – und genau das stieß dem meist steinalten, bornierten Klerus im Islam genauso übel auf wie den amerikanischen Priestern in den 1930er und 1940er Jahren. Möglicherweise greift man generell strenger durch, wenn die eigenen Storys immer weniger glaubhaft werden und wir können die bundesdeutsche Drogenpolitik etwa von Angela Merkel durchaus mit verkalkten Rechtsgelehrten im Mittelalter vergleichen.

Heute noch zitierte Rechtsgutachten wider den Hanf Konsum im Islam stammen allesamt aus dieser Zeit und als moderner Muslim sollte man sich schon auch mal kritisch fragen, ob die Ansichten von Kulturen ohne jede Wissenschaft wirklich noch die vorgebliche Glaubwürdigkeit haben. Aber gut – Glauben ist wie wir seit Kierkegaard wissen immer auch ein Sprung über den Abgrund der Vernunft und wer sein Seelenheil durch THC gefährdet sieht, der muss den alten Herren auf Minbar und Kanzel eben auch im 21. Jahrhundert vertrauen.

Rausch als Sünde und die Haschisch Meditation im Sufismus

Obwohl Mohammed und die Kalifen im Koran nicht direkt über Cannabis fabulieren lohnt sich ein Blick auf das Buch der Muslime. Dort wird zum Beispiel über den Alkohol und damit im Prinzip über alle ähnlich gelagerten Vergnügungen folgende Weisheit in der Sure 5, Vers 90 zum besten gegeben:

„Oh alle die ihr glaubt, berauschende Getränke, Glücksspiel, Opfersteine und Lospfeile sind nur ein Teil der Schandtaten des Satans. Meidet ihn und es wird Euch wohl ergehen.“ 

Lospfeile, Satan, Wohlergehen – man muss schon tiefgläubig erzogen sein und am besten dauerhaft in einem entsprechenden Umfeld leben, um solche Dinge heute noch für wahr zu halten und doch werden im Namen dieser Regeln viele Menschen in ihrer Freiheit ähnlich beschränkt wie durch bundesdeutsche Drogenpolitik oder Kommunistische Parteien in der Staatsführung. Doch der Islam ist wie schon erwähnt recht vielfältig und da sind wir bei den Sufis als ekstatische Außenseiter, die sich im Christentum vielleicht mit Schwärmern oder auch der Gnosis vergleichen lassen.

Sufis begeben sich absichtlich in Trance und haben viele Rituale, in die auch Hanf Produkte wie vor allem der im Orient verbreitete Haschisch eine Rolle spielen. Experten reden daher bei Cannabis manchmal vom „Sufi-Kraut“ und das wird von den Anhängern der Sufi-Sekten zur Meditation und Entspannung verwendet. Da es keine zentrale Kirche gibt im Islam kann zumindest theoretisch jeder Muslim sich seine eigene Ansicht zurechtzimmern, muss aber die Konsequenzen in Kauf nehmen.

Und wie stehts um Cannabis als Heilmittel im Islam?

Cannabis therapeutisch einzusetzen ist eher unter der Hand verbreitet und wird von den Mohammedanern nicht an die große Glocke gehangen. Eine THC Legalisierung in Deutschland dürfte daher kaum etwas ändern für die Gläubigen. Trotzdem befürwortet eine Reihe von islamischen Rechtsgelehrten die Verwendung von Medizinalhanf aus der Notwendigkeit heraus, Schmerzen zu lindern und beispielsweise auch Stress und Schlafstörungen zu kurieren. Opiumsüchtigen wurde das Cannabis schon zu Zeiten der Kalifen empfohlen als Gegenmittel und wir dürfen gespannt sein, wie die muslimische Gemeinde hierzulande auf die kommende Freigabe von Marihuana für Erwachsene reagiert.