Ärzte Endocannabinoid-System Cannabis

Auf dem DGIM-Kongress ging es für Ärzte um das Endocannabinoid-System und um die Cannabis Wirkstoffe als potentielle Heilmittel (Bild von 정수 이 auf Pixabay).

Die Cannabinoide im Marihuana stehen zunehmend im Interesse der Wissenschaft und dabei geht’s nicht immer nur um die in Deutschland aus der Schmuddelecke gezerrten Psychosen oder um Suchtprobleme. Viel spannender sind nämlich Fragen nach der Wirksamkeit von THC und CBD, die als Heilmittel Verwendung finden und auch beim Entzug von Drogen eine wichtige Rolle spielen können. Der Fokus der Ärzte richtet sich auf unser körpereigenes Endocannabinoid-System und auf die Cannabis Wirkstoffe, die bekanntlich bei Einnahme eine ganze Reihe sehr wichtiger Abläufe und Prozesse stimulieren. Eine häufig berichtete Heilwirkung durch Hanf gerade im Selbstversuch ist kein Zufall und hier kommt selbst die Forschung in Deutschland nicht mehr vorbei wie der DGIM-Kongress im Rheingau gezeigt hat. Dort diskutierten endlich mal deutsche Mediziner und Psychologen über die Möglichkeiten der Cannabinoide und einen Einsatz in der Neurologie, kamen aber wie zu erwarten leider auch dieses Mal nicht ganz ohne die Story von den berühmten Psychosen durch THC aus.

Dämpfen die Wirkstoffe aus der Hanfpflanze die Freisetzung der Dopamine?

Konkret befasste man sich mit Abhängigkeiten, wie sie vor allem durch Alkohol, Opiate oder eben Nikotin ausgelöst werden. Bei all diesen Verwerfungen rund um den Konsum solcher Substanzen steht das Dopaminsystem im Zentrum. Die genannten Drogen setzen verstärkt Neurotransmitter frei und das wird als wohltuend empfunden – bis sich schließlich eine Sucht einstellt, die das Leben der Betroffenen kontrolliert.

Nach Ansicht der Experten und Mediziner ist es freilich das Endocannabinoid-System im Leib und sind es die auch für THC und CBD geeigneten Rezeptoren, die das Dopaminsystem dämpfen! 

Eindeutig verweist man auf Cannabinoide, die an den CB1-Schaltstellen andocken und so für eine geringere Ausschüttung von Dopamin sorgen. Es ist demnach also kaum überraschend, wenn das in Deutschland häufig immer noch als „Droge“ bezeichnete Cannabis in vielen Fällen sehr erfolgreich bei der Überwindung einer Drogensucht mithelfen kann. Das Gerede von der Einstiegsdroge Hanf hält den Fakten jedenfalls nicht stand.

Natürlich gibt es Risiken und manchmal wird vor allem häufiges Kiffen zum Problem. Weniger Motivation und negative Emotionen seien die Folge, so die Fachleute auf dem Kongress und das habe mit einer sehr großen Anzahl von CB1-Rezeptoen in tiefen Regionen des Gehirns zu tun. Dort haben Krankheiten ihre Ursache, die mit großem Stress einhergehen wie etwa Paranoia oder Depressionen und ganz folgerichtig kann Hanf sowohl als Heilmittel wie auch als riskante Substanz betrachtet werden.

Cannabis Psychosen sind vor allem durch den THC Konsum in jungen Jahren möglich

Eigentlich ist das eine Binsenweisheit der Marihuana Forschung und natürlich wird niemand jemals die Freigabe von Cannabis auch für Kinder und Jugendliche fordern. Dieses absurde Schreckgespenst ist aber vor allem bei Deutschlands trunkenen Bierpolitikern sehr beliebt und die Wissenschaftler gehen in der Debatte darauf ein, wenn auch mit deutlichen Einschränkungen.

In Entwicklungsphasen des Gehirns wie eben während der Pubertät kann sich durch den Konsum von THC Psychosen entwickeln und deshalb fordern die Fachleute auf dem Kongress eine Gras Legalisierung erst ab 21 oder gar 25 Jahren.

Dadurch ließen sich recht zuverlässig Aufmerksamkeitsdefizite und andere Probleme beim Lernen genauso zuverlässig verringern wie die vorgeblichen Psychosen selbst. 

Vorsicht ist allerdings angebracht, wenn die hiesigen Experten völlig konträr zur internationalen Forschung behaupten, dass schon ein einziger Joint zu Sucht und einem dauerhaft veränderten Gehirn führen kann. Solche „Interpretationen“ von nachweislich nur temporären Effekten sind längst widerlegt und nicht umsonst sind Haschisch und Marihuana sehr häufig erfolgreich gegen Ängste, Stress und bei Konzentrationsstörungen hilfreich.

Wie kann das Endocannabinoid-System bei der Behandlung von Krankheiten helfen?

Aufgrund seiner Beteiligung an sowohl wichtigen wie zugleich sehr vielfältigen Prozessen rund um die Balance im Organismus gilt das Endocannabinoid-System nun endlich auch unter Deutschlands Wissenschaftlern als aussichtsreiche Option bei der Behandlung von Erkrankungen oft ganz unterschiedlicher Ntur. Auf dem Kongress werden unter anderem folgende Beschwerden und durchaus schwere Indikationen genannt, die vielleicht bald viel häufiger für den Einsatz von Cannabis in Frage kommen:

  • Krebs,
  • chronische Schmerzen,
  • Depressionen,
  • Tourette-Syndrom,
  • schwere Krampfanfälle und
  • Angststörungen.

Natürlich sind diese Krankheiten anderswo schon lange ein Indiz, es doch mal mit Hanf und THC als Therapie zu versuchen. Aber immerhin schafft es Deutschlands Forscherelite nun in 2022, die Fakten und Optionen klar zu benennen. Sogar konkrete Studien wurden auf der Tagung zitiert und zum Beispiel die Wirksamkeit der Cannabinoide rund um die belastenden Begleiterscheinungen einer Chemotherapie hervorgehoben.

Ganz ohne den typisch deutschen Zeigefinger ging es freilich auch dieses Mal nicht und so zählt man fleißig Nebenwirkungen durch Gras auf, von einem trockenen Mund bis zur Übelkeit. Zwar ist das in den allermeisten Fällen kaum der Rede wert und Kiffer laufen nur sehr selten völlig orientierungslos oder in starken Halluzinationen gefangen durch die Gegend, aber gut – die Freigabe von Hanf lässt sich heute wenigstens nicht mehr durch irgendwelche Storys aus der Mottenkiste der CDU/CSU verhindern und ein mindestens „großes Potenzial“ vom Cannabis und seinen Wirkstoffen wird nun ganz offiziell eingeräumt.